Logo

Mit Rad und Wanderschuh

www.rad-und-wandern.de

Home/Tourauswahl Inhaltsverzeichnis Gästebuch Kontakt Impressum Links Weilburg-Site

Valid XHTML 1.0!

Radwanderung
Innsbruck-Venedig

Pfunds-Burgeis

Zum Reschenpass

Zum Reschenpass

2009-05-19, Dienstag
Pfunds-Burgeis

Ein heftiges Gewitter war in der Nacht niedergegangen und hatte mich geweckt. Zwar war ich schnell wieder eingeschlafen, aber der Gedanke wie es wettermäßig heute aussehen würde hatte mich doch etwas beunruhigt. Schließlich stand für diesen Tag nicht ein x-beliebiger Streckenabschnitt unserer Radtour nach Venedig auf dem Programm, sondern es war die Strecke über den Reschenpass, die zu bewältigen war. Was das Wetter betraf, so sah es jetzt am Morgen ganz gut aus: Blauer Himmel mit vereinzelten Wolken, an den Berghängen und über dem Wald stiegen Dunstfelder aufwärts. Anscheinend also gute Aussichten, was das Wetter betraf, wie wir die Strecke bewältigen würden, sollten die nächsten Stunden erweisen.

Weder Joachim noch ich fahren gerne Berge und Anstiege, schon gar nicht mit einem bepackten Rad und einem Rucksack auf dem Rücken. Natürlich gehören einige Wellen im Gelände, ein wenig Auf und Ab zur Radtour dazu und Schieben sehen wir auch nicht als unehrenhaft an. Doch die Strecke über den Reschenpass empfanden wir schon als etwas Besonderes und doch wollten wir nur im äußersten Notfall den Busshuttle nutzen. Schlechtes Wetter wäre vielleicht auch ein Grund für den Bus gewesen, aber diese Ausrede galt jetzt nicht mehr, denn während wir uns mit einem reichlichen Frühstück auf den Reschen vorbereiteten, verzogen sich die Wolken zusehends und der Himmel kündigte wieder einen schönen Sonnentag an.

Kurz vor dem Reschenpass

Kurz vor dem Reschenpass

Es war schon 09.00 Uhr vorbei, als wir an unserer Unterkunft losfuhren. Ein schöner Radweg nahm uns auf und brachte uns schon nach 15 Minuten zur Kajetansbrücke. Hier hatten wir die letzte Gelegenheit uns für eine der beiden Routen hinauf zum Reschenpass zu entscheiden. Entweder östlich des Inns - und damit auf dessen österreichischer Seite - mit der Bundesstraße hinauf nach Nauders/Reschenpass oder am Westufer des Inn - und damit auf schweizerischer Seite - über Martina. Die Strecke über Martina sollte zwar sechs Kilometer länger sein, dafür war dort angeblich weniger Verkehr zu erwarten. Vor allem das vermutlich höhere Verkehrsaufkommen und die Tunneldurchfahrten auf der österreichischen Bundesstraße ließen uns den etwas längeren Weg über Martina wählen. Es sei an dieser Stelle gleich erwähnt, dass unsere Entscheidung die Route über Martina zu nehmen wohl die richtige gewesen ist - obgleich wir die Strecke über Nauders nicht aus eigenem Erleben kennengelernt haben.

Wir radelten also ab der österreichisch/schweizerischen Grenze auf einer gut ausgebauten Autostraße mit dem rauschenden Inn südwärts. Während der Inn sich tosend zwischen den hoch aufragenden Felswänden seinen Weg suchte, zog unsere Straße stetig aufwärts, zwar nicht steil, aber spürbar. Eine knappe halbe Stunde ging es so ansteigend bis zum Finstermünzpass bzw. dem Abzweig nach Samnaun. In der steilen Felswand auf der anderen Innseite sahen wir viele Meter höher den Verlauf der Reschenstraße und den dort herrschenden regen Autoverkehr. Auf unserer Strecke waren dagegen nur selten Autos oder Motorräder unterwegs. Dass wir allerdings noch so viele Höhenmeter vor uns hatten ...

Jetzt ging es auch noch abwärts. Dabei wollten wir doch nach oben. Und was für eine Abfahrt, nicht nur wenige Meter - eine längere Strecke als wir uns aufwärts gestrampelt hatten, fuhren wir wieder talwärts. Natürlich machte die rasante Abfahrt Spaß, aber all die erarbeiteten Höhenmeter wieder zu verlieren, darauf hätten wir gerne verzichtet.

Am Reschensee

Am Reschensee

Jedenfalls war so in kürzester Zeit die Grenzstation an der Innbrücke in Martinabruck erreicht. Und gleich hinter der Brücke begann der Anstieg mit 11 Kehren zur Norbertshöhe. Bis dorthin sind es 370 Höhenmeter bei bis zu 7 % Steigung. Das ist zwar noch lange nicht rekordverdächtig, mit einem bepackten Reiserad, dazu Rucksack und Eigengewicht des Radlers - da darf man schon einmal ins Schwitzen kommen. Allerdings hatte ich mir die Strecke noch sehr viel anstrengender vorgestellt, trotzdem war es natürlich schöner, als wir schon nach einer guten Stunde Auffahrt die Höhe von 1405 m ü. M. an der Norbertshöhe erreicht hatten.

Jetzt ging es erst einmal wieder abwärts, bis zum Ortsein- bzw. Ortsausgang von Nauders. Hier übersahen wir den Wegweiser zum Radweg, der einige Dutzend Meter östlich der Bundesstraße im Wiesengelände zur Grenze verläuft. Wir radelten also entlang der Bundesstraße, die leicht ansteigend zum Grenzübertritt nach Italien führt und auf dieser ca. sechs Kilometer langen Strecke nervte uns der Lastwagenverkehr weit mehr, als jedes Auto auf der Serpentinenstraße zur Norbertshöhe. An der Grenze trafen wir auf den hervorragenden Radweg, der uns die wenigen restlichen Höhenmeter zum Reschenpass brachte.

Dass wir seit Martina einige Höhenmeter hinter uns gebracht hatten, war an der Lufttemperatur deutlich zu spüren. Einerseits brannte zwar die Sonne kräftig auf uns herunter und ließ den Schweiß fließen, andererseits aber bemerkte man doch bei jedem kurzen Stopp, um wie viel kühler der Wind uns hier um die Nasen blies.

Es folgte eine schöne Abfahrt hinunter zum Reschensee, dessen Wasserstand allerdings weit unter der üblichen Marke lag. Dies trug vielleicht mit dazu bei, dass der See mit seiner Umgebung und dem Ort Reschen einen ziemlich tristen Eindruck bei mir hinterließen. Am See leiteten uns Radwegschilder zum Westufer, denn entgegen den Angaben in Karten wird der Radweg nicht mehr mit der Autostraße am Ostufer des Sees und durch Graun geführt, sondern über einen neu und sehr schön angelegten Radweg an dessen Westufer.

Gerne wäre ich zwar über Graun gefahren und hätte den aus dem Wasser ragenden Turm des untergegangenen Ortes aus der Nähe gesehen, doch der erstklassige neue Radweg, abseits von jedem Autoverkehr und abwechslungsreich am Westufer verlaufend, war mir lieber als die Nähe vorbeirauschender Kraftfahrzeuge.

Vom Rerschenpass nach Burgeis

Vom Rerschenpass nach Burgeis

Kurze Zeit nach dem Reschensee lag St. Valentin am Haidersee vor uns. Von hier war es nicht mehr weit bis zu unserem Tagesziel Burgeis und so beschlossen wir, am Ufer des Haidersees eine ausgiebige Mittagsrast zu halten. Die schweißtreibende Auffahrt zum Reschen war nach den zwischenzeitlich bergab verlaufenden Streckenabschnitten zwar schon fast vergessen, trotzdem war es schön, jetzt in Ruhe die Beine ausstrecken zu können und sich auf die bevorstehende Abfahrt nach Burgeis zu freuen.

Und diese Abfahrt machte wirklich Freude. Der Radweg in bestem Zustand, rundum grüne Wiesen und Wald, in der Ferne aufragende Berge deren schneebedeckte Gipfel herüberglitzerten, Sonne und ein erfrischender und doch warmer Fahrtwind; allein diese Abfahrt lohnte den Anstieg zum Reschenpass. Kein Wunder, dass wir fast enttäuscht waren, als wir Burgeis und dort den Bruggerhof, unsere Unterkunft, viel zu schnell erreichten.

Es war 14.30 Uhr und der Tacho zeigte die Tagesstrecke mit 44 km an. Wir hätten also noch ein gutes Stück weiter fahren können, doch unsere Unterkunft hier in Burgeis war gebucht und wir waren mit dem Verlauf unserer Fahrt hochzufrieden. Das traf auch auf unsere Unterkunft zu, den Bruggerhof, wo uns ein großes Zimmer, Dusche und WC erwarteten, dazu ein großer Sonnenbalkon, der zum Wäsche trocknen wie gerufen kam. Der Ausblick vom Balkon zeigte uns aber auch das Benediktinerkloster Marienberg, hoch über Burgeis an bewaldetem Felshang gelegen und die Fürstenburg am Ortsrand.

Faul in die Sonne legen kam nicht infrage und so spazierten wir schon bald zu den Mauern der Fürstenburg und anschließend hinauf zum Kloster. Leider war eine Besichtigung nicht möglich, doch der Weg hinauf wie auch der über einen schmalen Trampelpfad erfolgte Abstieg waren schon wegen der Ausblicke nach Burgeis und in das Umland lohnend.

Zurück in Burgeis kehrten wir zu einem verspäteten Kaffee in einer Gaststube ein, später im Bruggerhof gab es dann ein Südtiroler Abendessen mit Tiroler Speck, Käse und Rotwein.