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Wanderwoche Sächsische Schweiz

Lilienstein

05.09.2003, Freitag
Lilienstein

Foto, Lilienstein

Lilienstein

Einen Tag hatte ich in meinen Planungen zur freien Verfügung noch offen gehalten. Joachim schlug für den noch nicht verplanten Tag eine Wandertour auf den Lilienstein vor. Diesen Tafelberg hatten wir auf den bisherigen Routen häufig vor Augen gehabt und tatsächlich, forderte die freie Lage des Liliensteins auf der Ebenheit in der Elbeschleife dazu heraus, sein Plateau zu erwandern. Mit dem Vorschlag war ich deshalb sehr einverstanden, er war mir allerdings als „Ganztagsbeschäftigung“ zu wenig. Ich schlug deshalb vor, zur Hin- und Rückfahrt die Fahrräder zu benutzen, womit ich bei Joachim offene Türen einrannte. Als eingefleischter Radwanderer litt er wahrscheinlich ohnehin bereits unter Entzugserscheinungen, hatten wir die Räder doch zuletzt am Dienstag für die Fahrt nach Dresden genutzt. Somit war alles klar für unser Tagesprogramm und da sich schon zur Frühstückszeit mit blauem Himmel ein sonniger Tag ankündigte, stand dem Vorhaben nichts mehr im Wege.

Trotzdem ließen wir uns natürlich Zeit für das Frühstück, saßen aber dann doch vor 09:00 Uhr auf unseren Rädern und schwenkten in Pirna auf den Radweg am linken Elbufer ein. Etwa 15 km bis Bad Schandau lagen vor uns. Bei der gut ausgebauten Strecke und dem wunderbaren Wetter radelte es sich angenehm dicht an der Elbe entlang in Richtung Königstein. Bald war Wehlen erreicht, dann kamen am anderen Elbeufer die Weißen Brüche in Sicht und gleich darauf gingen unsere Blicke hinauf zur Bastei mit der Basteibrücke. Noch eine Wegstrecke hinter Rathen konnten wir im Rückblick die Felsen der Bastei sehen, dann kam vor uns schon die Festung auf dem Königstein in Sicht und kurz darauf waren wir am Schiffsanleger in Königstein. Die Räder wurden angeschlossen und wir setzten mit der Fähre zum anderen Ufer über.

Foto, Festung Königstein vom Lilienstein gesehen

Die Festung Königstein vom Lilienstein gesehen

Vom Anleger ging es direkt zu dem aus der Ebenheit steil aufsteigenden bewaldeten Hang. Im Wald zog hier ein Fußsteig in fast direktem Anstieg steil aufwärts, entließ uns dann aber schon bald auf die flache, baumlose Ebene, direkt vor uns der Lilienstein. Ein fast schnurgerader Weg zog sich durch Felder zu dessen bewaldeten Hängen, wo wir in den Schatten der Bäume traten. Mit dem in Windungen ansteigenden Weg ging es über Stufenanlagen aufwärts bis zur Felswand, dann auf eisernen Stufen die letzten Höhenmeter in einer Felsenkluft zum Ausstieg auf dem Sattel zwischen dem Westteil und dem größeren Ost-Plateau. Die Aussicht nahm uns sofort gefangen, dann aber wandten wir uns dem exponierten westlichen Aussichtspunkt auf dem Mulattenturm zu, den wir über Leitern, Trittstufen und den eisernen Verbindungssteg zwischen zwei Felstürmen erreichten.

Die Umschau von hier kann mit den Aussichten in Schramm- und Affensteinen problemlos mithalten. Und dies ist nicht der einzige vom Lilienstein gebotene Aussichtspunkt. Auf dem Ostplateau am Standort des Obelisken von 1888 geht der Blick nach Süden und am vorspringenden Osthorn weit in Richtung Osten, während von der Carolabastei der freie Blick nach Norden geht. Dazu die berauschenden Tiefblicke auf die Waltersdorfer und Königsteiner Ebenheit, zur weit unten dahinziehenden Elbe, nach Königstein und Bad Schandau.

Auf 415 m liegt der höchste Punkt des Felsmassivs, etwa 300 m über dem Flussspiegel der Elbe. Aus der ihn umgebenden Ebenheit ragt der Lilienstein fast 200 m schroff empor, umgeben von seiner bewaldeten Fußhalde. Auf dem Plateau sind noch Reste der Grundmauern einer Burg zu erkennen, die für 1396/97 als rechtselbischer Vorposten des Königsteins bezeugt ist. Als 1408 derMarkgraf von Preußen diesen eroberte, zerstörte man die Burganlage und ließ sie verfallen. Ein kleiner Obelisk, von dem nur noch der Sockelrest in der Nähe des Fernsehverstärkers erhalten ist, soll an die Besteigung des Liliensteins durch August der Starke im Jahr 1708 erinnern. Im Siebenjährigen Krieg geriet 1756 die sächsische Armee auf der Ebenheit am Lilienstein in preußische Gefangenschaft. Napoleon ließ 1813 zum Schutz des Elbübergangs Befestigungswälle, Baracken und die Kaiserstraße vor dem Lilienstein anlegen. Zur Erinnerung an die 800-jährige Herrschaft des Hauses Wettin am 19. Juni 1889 wurde ein Obelisk auf dem höchsten Punkt des Liliensteinplateaus aufgestellt.

Die sinnvollste Errichtung auf dem Lilienstein erfolgte aber wohl im Jahr 1873 mit dem Bau einer Gaststätte. In dem kleinen Biergarten der Gaststätte ließen wir uns zu einer gemütlichen Rast nieder, nachdem wir in Ruhe das Plateau umrundet und alle Aussichten genossen hatten.

Foto, einer von vielen Ausblicken herunter vom Lilienstein

Einer von vielen Ausblicken herunter vom Lilienstein

Nach der ausgiebigen Rast begaben wir uns zum Nordaufstieg, den wir als Abstiegsweg gewählt hatten.. Über viele Felsstufen und Treppen ging es diesen Steig abwärts bis im unteren Hangteil auf den Kirchweg trafen. Dieser brachte uns über die Ebenheit wieder zu dem steilen Weg, den wir am Morgen heraufgekommen waren. Jetzt ging es natürlich weit schneller hinab zur Fähre, die uns wieder auf die Königsteiner Seite brachten, wo unsere Räder warteten.

Es war noch früher Nachmittag und Joachim schlug vor die wenigen Kilometer elbaufwärts nach Bad Schandau zu fahren. Ich hätte unseren Nachmittagskaffee zwar ebenso in Königstein genossen, aber es war wunderbares Wetter, Bad Schandau nur etwa 10 km entfernt und so hatte ich auch keine Einwände.

Eine knappe Stunde später waren wir in Bad Schandau wo es uns diesmal auf die Terrasse eines Eissalons zog um es uns dort bei hochsommerlicher Temperatur mit Eis und Milchshake gut gehen zu lassen. Es half aber nichts darüber hinweg, auch die Rückfahrt nach Pirna musste sein. Da wir uns aber heute wahrlich nicht verausgabt hatten, gab es für die Rückfahrtstrecke keine Probleme und bei noch immer herrlichem Sonnenschein erreichten wir Pirna. Um auch die letzten Sonnenstrahlen auszunutzen, schlenderten wir noch über Pirnas Plätze und durch seine Gassen, bevor wir die letzten 2 km in die Jugendherberge Pirna radelten.