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Wanderwoche Sächsische Schweiz

Kamnitzklamm/Prebischtor

01.09., Montag
Kamnitzklamm und Prebischtor

Aus meinen Tourenvorschlägen hatte Joachim noch gestern als Wanderziel für den heutigen Tag die Tour durch die Kamnitzklamm zum Prebischtor ausgewählt. Als wir um 07:30 Uhr am Frühstückstisch saßen, schien sich auch der Wettergott mit dieser Wahl abzufinden, denn die Regenwolken, die wir bei einem ersten Blick durchs Fenster gleich nach dem Aufstehen noch entdeckt hatten, schienen sich langsam zu verziehen und die Sonne durchzulassen.

Nach ausgiebigem Frühstück wanderten die gepackten Rucksäcke in den Kofferraum und eine ganze Zeit vor 09:00 Uhr fuhren wir los Richtung Königstein – Bad Schandau – Grenzübergang Schmilka. Der erste Stopp in Königstein diente nur der Verproviantierung, schließlich wollten wir unterwegs nicht hungern oder verdursten. Am Grenzübergang Schmilka war die Kontrolle so, wie man sie z. B. auch von Grenzübergängen nach Österreich kennt: Hauptsache man hielt etwas in der Hand, das wenigstens Ähnlichkeit mit einem Ausweis hatte. Wenige Kilometer danach erreichten wir schon Hrensko (Herrnskretschen).

Ansichtskarte, Bootstour in der Wilden Klamm

Ansichtskarte, Bootstour in der Wilden Klamm

Wir dachten es wäre Markttag. Vor dutzenden Holzbuden, aber auch vor den meisten Häusern, fanden sich riesige Warenstapel mit Getränkeflaschen, Textilien und alle möglichen und unmöglichen Keramikfiguren. Wo Parkplätze für Fahrzeuge freigehalten waren sprang, kaum, dass wir näher kamen, jemand hervor und bemühte sich mit ausholenden Gesten uns auf den Platz zu lotsen. Wir konnten dem zum Glück entgehen und fanden dann etwas oberhalb des Ortes einen bewachten Parkplatz.

Der Ort Herrnskretschen wird erstmals 1475 erwähnt. Grundlage des dörflichen Wirtschaftslebens war jahrhundertelang die Elbschifffahrt, Sägemühle, Holzhandel, Waldarbeit und Flößerei. Des Öfteren richteten Felsstürze und Überschwemmungen große Schäden im Dorf an.

Der schon in der letzten Hälfte des 19. Jh. einsetzende Fremdenverkehr veränderte die Lebensumstände der Einwohner und um 1900 kann schon von Massentourismus gesprochen werden. Zu dieser Entwicklung hat wesentlich Fürst Edmund von Clara-Aldringen beigetragen.

Dieser Fürst ließ 1890 – 1898 die von der Kamnitz (Kamenice) durchflossene Schlucht mit einer Weganlage und Einrichtung eines Personentransports mit Kähnen auf den für die Flößerei angelegten Staustufen erschließen. Diese hieß deshalb bis 1945 „Edmundsklamm“ („Edmundova souteska“), später „Stille Klamm“ („Ticha souteska“), heutzutage wird meist wieder der ursprüngliche Name benutzt. Außerdem ließ Fürst Edmund das Hotel „Rainwiese“, den Gabrielensteig und am Prebischtor (Pravcická brána) und das Hotel „Falkennest“ („Sokoli hnizdo“ errichten. Mit diesen Erschließungen wurde eine der beliebtesten Wanderrouten geschaffen, einige Reiseführer bezeichnen sie gar als legendär.

Foto, Ausstiegstelle Wilde Klamm

Ausstiegstelle Wilde Klamm

Aber ob legendär oder nicht, Joachim und ich fanden die Tour wirklich fantastisch. Der Weg führt von Beginn an dicht entlang am Wasser der Kamnitz. Üppig ist die Vegetation auf Steinen und Felsen, im und am Wasser, das glasklar dahinfließt. Der schmale Steig, teilweise als Steg über das Wasser geführt, an der Seite unmittelbar die steil aufragenden Felswände, windet sich entlang des Wildwassers, führt durch Tunnel und unter Felsüberhängen weiter und mit jeder Biegung löst ein romantisches Landschaftsbild das vorhergehende ab.

An der ersten Staustufe geht es nur mittels Stechkahn weiter. Wer im Sommer und gar an einem Wochenende hier ankommt, braucht wahrscheinlich nicht lange warten, bis genügend Leute für die Weiterfahrt eingetroffen sind. Wir mussten uns ein wenig gedulden, aber dann ging die Fahrt auch mit nur zur Hälfte besetztem Stechkahn los. Etwa 20 Minuten dauert das stille Gleiten bis zur Ausstiegsstelle. Während der Fahrt gab unser Kahnführer einige Infos über die Klamm zum Besten, vor allem aber erfuhren wir von jedem dritten Felsen den Namen und wer es glaubte, entdeckte vielleicht sogar den Zusammenhang zwischen Name und Felsgestalt. Trotzdem war der Vortrag ganz lustig und konnte der Fahrt nichts von ihrer Romantik nehmen. Nur den Kahnführer selbst bedauerte ich – musste dieser sich seinen Vortrag doch jeden Tag und das gleich mehrmals anhören.

Durch die wildromantische Schluchtszenerie führte der Weg weiter entlang der Kamnitz. Dann erwartete uns an der folgenden Staustufe die nächste Kahnfahrt durch die „Wilde Klamm“ („Divoká souteska“). Das „Wilde“ ist sicherlich auf die Schlucht- und Felsszenerie bezogen, denn über das Wasser glitt der Kahn so ruhig wie zuvor durch die Edmundsklamm. Zu Recht als „wild“ empfanden aber bestimmt die Menschen vergangener Zeiten diese Natur. Heute, und seit ihrer touristischen Erschließung, wird diese Natur, die sich tatsächlich noch wild und urwüchsig gibt, als traumhaft romantische Kulisse erlebt. Mir jedenfalls erging es so.

Kurz nach der Kahnanlegestelle ging es auf die andere Seite der Kamnitz noch einen guten Kilometer neben und über ihr weiter. Dann zweigte unser Weg links ab und es ging aufwärts hinauf in den Soorgrund und dann weiter nach Rainwiese. Dort besteht ein großes Hotel mit Restaurant und eine Imbissmöglichkeit. Ab hier ist auch eine Rückkehr mit dem Bus nach Herrnskretschen möglich.

Wir schlugen von hier aus den Weg über den Gabrielensteig zum Prebischtor ein. Der Weg führte zu Beginn aufwärts durch Mischwald, dann ging es in vielen Kurven an den Fuß der Felswände heran. Dort stiegen wir weiter aufwärts, der Weg führte entlang der Flügelwand und streckenweise unter deren Überhängen weiter, um später in einem großen Halbbogen und in fast gleich bleibender Höhe den Prebischgrund zu umlaufen. An einer Felsenecke wendete der Pfad nach rechts und führte hinaus aus der Schlucht. Bald darauf erreichten wir ein Wegedreieck unterhalb des Prebischtors. Hier ging es teilweise über Stufen steil hinauf zum Hotel „Falkennest“ und zur Terrasse unter dem Bogen des Prebischtors. Hinter dem Hotel gibt es einen Zugang (Kasse), der zu den Aussichtspunkten am Edmundstein und Kreuzstein führt, die über Stufen gut erreichbar sind.

Die tiefen Schluchten, die das Massiv mit dem Prebischtor umgeben, lassen dieses fast wie auf einer Insel stehend erscheinen. Bereits 1410 wird es als „großes Thor“ schriftlich erwähnt. Das Tor misst 16 m in der Höhe und ist 26,5 m breit. Die Deckplatte des Torbogens hat eine Mindeststärke von 3 m. Seit 1982 ist der Zugang auf den Torbogen verboten, da die fortschreitende Erosion des Sandsteins und der Massentourismus einen Einsturz des Bogens befürchten ließen.

Foto, Prebischtor

Prebischtor

Eine großartige Aussicht bietet sich schon von der Terrasse unterhalb des Torbogens. Noch großartiger aber sind die Ausblicke vom Aussichtspunkt des 449 m hohen Edmundsteins und vom Kreuzstein aus. Von dort aus umfasst der Blick nicht nur die Sehenswürdigkeit des Prebischtors, beeindruckend sind auch die Tiefblicke in die umliegenden Gründe, die Aussichten zu den Tafelbergen, den umliegenden Felsbastionen und in die Böhmische Schweiz und das sich anschließende Mittelgebirge Böhmens.

Nach ausgiebiger Umschau und kleinem Imbiss aus der Rucksackverpflegung ging es über das Hotel „Falkennest“ wieder zum Wegedreieck und dann weiter abwärts in Richtung Herrnskretschen. An den Drei Quellen im Tal der Langen Biele trafen wir auf die Straße Rainwiese–Herrnskretschen, der wir für ca. 15 Minuten folgten, um dann wohlbehalten und zufrieden über den Tourenverlauf am Wagen einzutreffen.

Die Wanderstrecke dieser Tour beträgt etwa 18 km. Es ist eine leichte Wanderung, bei der nur der Höhenunterschied vom Soorgrund bei 164 m bis zum Prebischtor auf 442 m Höhe zu überwinden ist. Diese Höhendistanz verteilt sich aber auf eine relativ lange Strecke bzw. wird über nur kurze Steilstücke überwunden. Es ist eine echte Genusswanderung.