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Radwanderung
Salzkammergut-Enns-Donau

Mondsee-Bad Ischl

2007-05-01, Dienstag
Mondsee-Bad Ischl

Heute hatten wir die längste der geplanten Strecken vor uns, jedenfalls dann, wenn wir tatsächlich die Fahrtroute über Seewalchen am Attersee und Gmunden am Traunsee nach Bad Ischl radeln würden. Etwa 90 km waren bei dieser Streckenführung zu erwarten. So wäre ich heute gerne etwas früher losgefahren, aber frühstücken war erst um 08.00 Uhr möglich. Allerdings hätten wir auf das dann bereitstehende Frühstück auch fast verzichten können. Zwei Brötchen gab es für jeden und beim Wurst- und Käsebelag mussten wir schon genau kalkulieren, damit eine Brötchenhälfte nicht unbelegt blieb. Brot und gar Müsli oder Cornflakes waren überhaupt nicht vorhanden. Ein am Vorabend kurz nach uns eingetroffenes und nicht angemeldetes Paar hatte wohl die ohnehin knappe Kalkulation völlig über den Haufen geworfen.

Am Mondsee

Am Mondsee

Als es um 09.00 Uhr losgehen sollte musste Joachim feststellen, dass auch seinem Fahrradcomputer die österreichische Luft wohl nicht bekommen war und dieser deshalb jede Anzeige unterließ. Nachdem mein Tacho schon am Vortag ausgefallen war, wollte sich Joachim nicht ohne weiteres auch noch mit dem Ausfall seines Tachos abfinden und also versuchten wir eine halbe Stunde lang den Fehler zu beheben. Es war vergeblich und für meine Begriffe schon viel zu spät, als wir um 09.30 Uhr endlich losrollten.

Wenigstens schien der blaue Himmel wieder einen schönen Tag zu versprechen, als wir auf dem R 2 am Nordufer des Mondsees Richtung Unterach am Attersee fuhren. Mit Ausnahme eines ca. 3 km langen Streckenabschnitts verlief der Radweg an der Bundesstraße entlang des Seeufers. Trotz des 1. Maifeiertags und schönstem Ausflugswetter war fast kein Autoverkehr auf den Straßen, auch nicht auf den weiteren Straßenstrecken, die wir im Tagesverlauf noch fahren sollten. Wer den Autoverkehr im Salzkammergut im Hochsommer schon erlebt hat, kann kaum glauben, dass Anfang Mai hier die Straßen so leer sein können.

Wir jedenfalls konnten deshalb die Fahrt entlang des Mondsees genießen und auch die zwei kurzen Steigungen an denen wir die Räder schoben änderten daran nichts - es gab ja auch die entsprechenden Strecken bergab.

Kurz vor Unterach wäre die erste Entscheidung über eine verkürzte Tagesstrecke notwendig gewesen, doch diese Überlegung kam uns hier noch gar nicht in den Sinn. Wir stoppten kurz an der Anlegestelle Unterach, genossen die Sonne und den Ausblick über den See, dann ging es am Attersee nordwärts. Bis Nussdorf verlief der Radweg abwechselnd auf der Autostraße am Seeufer und abseits verlaufenden Nebenstraßen. Die Übergänge auf die Nebenstraßen waren immer mit kurzen Anstiegen verbunden, entschädigt wurden wir aber durch herrliche Ausblicke zum See.

Am Attersee

Am Attersee

Kurz vor 12.00 Uhr erreichten wir Nussdorf und nach meiner Planung mussten wir uns hier für eine Überfahrt mit dem Schiff nach Weyregg oder die Weiterfahrt mit den Rädern nach Seewalchen entscheiden. Ich hatte jedoch bei der Vorbereitung den Schiffsfahrplan nicht genau genug gelesen. Es bestand zwar für 12.02 Uhr eine Schiffsverbindung nach Weyregg, jedoch nicht als Direktfahrt. Jetzt stellten wir fest, dass die unmittelbare Verbindung an das Ostufer nach Weyregg ihren Ausgang in Attersee hatte. Für 12.45 Uhr war eine direkte Schiffsverbindung zwischen Attersee und Weyregg im Fahrplan ausgewiesen. Da der Ort Attersee nur etwa 5 km nördlich von Nussdorf liegt, beschlossen wir dorthin zu fahren und damit war auch die Entscheidung zur weiteren Tagestour getroffen: Erreichen wir die Schiffsverbindung, setzen wir nach Weyregg über, andernfalls fahren wir die Radstrecke weiter nach Seewalchen.

Da der R 2 ab Nussdorf vom See wegführt, beschlossen wir die kürzere Strecke der Autostraße nach Attersee zu benutzen. Nur etwa 20 Minuten später hatten wir die Schiffsanlegestelle dort erreicht und somit noch einige Zeit bis zur Abfahrt des Schiffes. Joachim nutzte diese Zeit wieder für Versuche seinen Fahrradcomputer in Gang zu bringen, was aber erneut erfolglos war. Auch ich spielte ein wenig am Kontaktgeber meines Tachos und - warum auch immer - dessen Anzeige erwachte wieder zum Leben, als sei es nie anders gewesen. Dann aber machte auch schon das Schiff nach Weyregg am Anleger fest und wir setzten bei kräftiger Brise und heftig schaukelnd an das Ostufer des Attersees über.

Gleichzeitig mit unserer Entscheidung für die Überfahrt hatten wir auch beschlossen den Traunsee nicht anzusteuern, sondern uns in Weyregg südwärts zu wenden, um in Weißenbach nach Osten und zur Traun abzubiegen.

Vom Attersee zur Traun

Vom Attersee zur Traun

Wie schon am Westufer verlief auch am hiesigen Ostufer der R 2 zusammen mit der Autostraße und die ohne Steigungen verlaufende Strecke ließ sich auch hier wegen des kaum vorhandenen Autoverkehrs angenehm fahren. Gegen 14.00 Uhr erreichten wir Weißenbach und dort änderte sich unsere Fahrtrichtung und führte jetzt nach Osten, hinweg vom Attersee zur Traun.

Etwa 15 km lagen zwischen Attersee und Traun und über die Hälfte dieser Strecke war ansteigend, aber nur so sachte ansteigend, dass auch wir Genussradler im Sattel blieben. Die Straße wies zwar keinerlei Radweg auf, ließ sich aber - wiederum auch wenig Autoverkehr - doch angenehm fahren, da sie relativ neu und gut ausgebaut war. Wegen der Änderung unserer ursprünglich geplanten Strecke hatten wir einige Kilometer eingespart und so verblieb uns noch viel Zeit für die kurze Reststrecke nach Bad Ischl, weshalb wir eine gemütliche Pause am Ufer des Äußeren Weißenbachs einlegten. Und so gut sich diese Verbindungsstraße auch aufwärts fahren ließ, die Abfahrt hinunter zur Traun war natürlich noch weit angenehmer - und wie immer bei Abfahrten viel zu kurz.

Nur 5 km waren es jetzt noch bis Bad Ischl, wo wir gegen 15.30 Uhr eintrafen. Da die Jugendherberge noch nicht geöffnet hatte, streckten wir auf der Terrasse eines Eiscafés erst einmal gemütlich die Beine aus und genehmigten uns je einen großen Milchshake. Viel zu früh machten wir uns dann auf zur Jugendherberge, die ausnahmsweise weder auf einem Berg noch zwei Kilometer außerhalb lag, sondern ganz nah am Zentrum und doch angenehm ruhig. Einlass aber gab es erst pünktlich um 17.00 Uhr und wir waren wieder einmal die einzigen Übernachtungsgäste. Wie reserviert, hatten wir ein Zimmer mit Dusche und Toilette und da wir erst am übernächsten Tag weiterfuhren, hielt ich schon einmal einen kleinen Waschtag ab, um den Wäschevorrat etwas zu schonen. Dann aber machten wir uns auf, um noch etwas von der Stadt zu sehen, die zwischen 1850 und dem Anfang des 20. Jahrhunderts von den Mächtigen, Schönen und Reichen jener Jahre zur Kur und Sommerfrische aufgesucht wurde.

An der Traun in Bad Ischl

An der Traun in Bad Ischl

Noch heute zehrt Bad Ischl von dieser Zeit. Unsere Erwartungen, die mit dem bekannten Stadtnamen verknüpft waren, erfüllte Bad Ischl nicht. Eine herrliche Umgebung und wunderbar gelegen, eine schöne Promenade entlang der Traun, ein kleiner Kurpark (von dem das pompöse Tagungs- und Kongresszentrum nicht viel übriglässt) und alle Arten von Geschäften: Trotzdem, das Flair einer Kurstadt fehlte und auch der erwartete Charme einer plüschigen und in die Jahre gekommenen Sommerfrische ist vergangen. Allgegenwärtig und nervend ist dafür der durch die Kleinstadt (ca. 15.000 Einwohner) rollende Kraftfahrzeugverkehr, der einer Großstadt angemessen ist. Wir waren froh, für den nächsten Tag eine Wanderung in die Umgebung geplant zu haben, denn es ist vor allem die Landschaft die heute noch erahnen lässt, warum Bad Ischl in der Vergangenheit einen solchen Stellenwert erreichen konnte.

Nach dem Abendessen in einer Gaststätte verzichteten wir auf einen weiteren Gang durch die Stadt, begaben uns in die Jugendherberge und lagen schon früh in den Betten. Auch wenn wir die Radstrecke dieses Tages durch die Schiffsüberfahrt und den Verzicht auf den Traunsee um einige Kilometer gekürzt hatten, waren doch 62 Tageskilometer zusammengekommen, die uns jetzt schnell einschlafen ließen.