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Radtour neue Bundesländer

Naumburg-Halle

Foto, Schloss Goseck an der Saale

Schloss Goseck an der Saale

2005-05-03, Dienstag
Naumburg-Halle

Foto, Wiesenlandschaft an der Saale

Wiesenlandschaft an der Saale

Für diesen Tag war die Strecke von Naumburg über Merseburg nach Halle geplant. Der frühmorgendliche Blick zum Himmel brachte keine ganz so schöne Aussicht wie an den Tagen zuvor, aber die schwüle gewittrige Wärme des vorangegangenen Tags war auch nicht allzu angenehm gewesen. Da wir am Vorabend alles gepackt hatten, blieb uns nur noch ein gemütliches Frühstück, bevor wir wieder abfahrbereit waren. Jetzt kam uns die Höhenlage der Jugendherberge zu Gute, denn wir konnten die Räder bis zur Saale bergabwärts rollen lassen.

Noch in Naumburg versorgten wir uns in einem am Weg liegenden Einkaufszentrum mit den Tagesrationen an Wasser und Obst. Ohne Probleme fanden wir dann den Einstieg in den Saale-Radwanderweg, auf dem wir nun in Richtung Weißenfels fuhren. Die Strecke verlief angenehm eben, meist begleitet von Wiesenflächen oder Feldern. Hin und wieder kamen Burgen ins Blickfeld und Weinberge an den Hängen des gegenüberliegenden Ufers.

Ohne Hektik rollten wir am rechten Saaleufer entlang bis Weissenfels, wo zur anderen Saaleseite gewechselt wurde. In Klein Korbetha und Bad Dürrenheim erfolgten weitere Saalequerungen. Da wir gut in der Zeit lagen, beschlossen wir die Weiterfahrt bis Merseburg, um dort eine Mittagsrast einzulegen.

In Merseburg hatten wir etwa zwei Drittel der insgesamt 66 km Tagesetappe hinter uns, als wir dort kurz vor 13.30 Uhr auf dem Marktplatz eintrafen, wo uns Bänke und ein Brunnen zur Pause einluden. Leider hatte sich der Himmel im Laufe der vergangenen Stunden immer mehr bewölkt und die Temperaturen wechselten in dem Maße, wie sich die Wolken vor die Sonne schoben oder diese wieder hervorscheinen ließen. Auch die Möglichkeit von kräftigen Regenschauern war gegeben, so dass wir die Pause nicht ganz so lange ausdehnten, wie wir es unter anderen Wetterbedingungen wahrscheinlich getan hätten. Da uns der Weg zur Saale aber über die Anhöhe des Schlossbergs führte, legten wir bei dem dortigen Dom- und Schlossensemble noch einen kurzen Aufenthalt ein. Hier fanden wir in einem Hof des Vorschlosses auch eine Voliere, darin den Merseburger Raben". Auf einer Tafel festgehalten ist die

"Merseburger Rabensage"
in ihrer ältesten, überlieferten Form, nach Georg Möbius (1688)

Von diesen Bischoff Thilo von Trodte ist unter den gemeinen Mann eine gemeine Rede gewesen, als wenn er einsmahls seinen Cammer-Diener darumb, daß er ihm seinen Pitzschier Ring entführet haben solle, hinrichten laßen, welches sich aber nach etlichen Jahren anders befunden, indem ein Schiefer Decker solchen Ring in eines Raben Nest auf dem Thurm innen an der Dom Kirchen gefunden, weswegen solcher Bischof hernachmahls solche That an seinem Diener soll sehr bedauret, und zum steten Andencke einen Raben mit einem Ring in Schnabel in seinem Wappen geführet haben.

Allein dieses ist billig für eine Fabel zu halten weil
1. die alten geschriebenen Chronicen davon nichts melden
2. haben die Edelleute von Trodte solch ein Wappen lang zuvor geführt
3. liegen in der Dom Kirchen alle Trodten begraben, so ebenfallß solch Wappen auf den Leichenstein haben, ehe noch Thilo von Trodte Bischoff worden."

(Bischof Thilo von Trotha, 1443-1514.)
Foto, das vieltürmige Merseburg

Das vieltürmige Merseburg

Mir hat sich aus dieser Sage allerdings nicht der Grund für die Haltung des Raben in Merseburg erschlossen. Ob der heute dort gehaltene Rabe für die Bosheit seines Artgenossen büßen muss oder ein lebendes Mahnmal für Fehlurteile darstellt? Wie auch immer - jedenfalls wird eine Vergrößerung der Voliere angestrebt und gutachterlich wurde bescheinigt, dass sich der Rabe wohl fühlt.

Von der Höhe wieder an die Saale zurückgekehrt, nahmen wir nun das letzte Wegestück nach Halle in Angriff. Wenn auch ab und zu die Wegführung nicht ganz eindeutig war oder ein Richtungsschild besser hätte platziert sein können, bisher hatten waren wir dem Radwanderweg gut folgen können. Ein gutes Stück vor der Saaleüberquerung bei Hohenweiden mussten wir dann aber doch einen Abzweig verpasst haben, jedenfalls wurde der Pfad am Saaleufer immer schmaler und unwegsamer und verlor sich schließlich vollständig im Uferbewuchs. Da wir aber kurz zuvor etwa 3 km vor uns die Brücke über die Saale gesehen hatten, war wenigstens die Richtung eindeutig und wir entschlossen uns in dieser Richtung am Ufer weiter zu gehen. An Rad fahren war nicht zu denken und so wühlten wir uns am Ufer entlang durch Brennnessel, Gestrüpp und unter tief hängenden Weidenzweigen in Richtung der Brücke. Glücklicherweise zerstachen wenigsten keine Dornen einen Reifen, dafür aber brannten mir die Beine noch den ganzen folgenden Tag.

Verschwitzt, zerstochen und zerkratzt gelangten wir aber an die Brücke und wuchteten dort die Räder die Böschung nach oben. Hier fanden wir auch sogleich wieder ein Hinweisschild und damit war auch der vorherige Stress vergessen. Leider aber trafen wir auf dem Weiterweg noch einige Wegstücke mit einer Pflasterung oder einem Schotterbelag an die so katastrophal waren, dass wir die Räder lieber schoben als diese Marterstrecken fahrend zu bewältigen.

Foto, Opernhaus Halle

Opernhaus Halle

Immerhin waren wir bisher trocken geblieben, manche Wegstücke aber waren nass und zeigten an, dass es kurz vor unserer Durchfahrt geregnet hatte. Auch zeitlich waren wir relativ früh und konnten hoffen, gegen 16.00 Uhr Halle zu erreichen. Tatsächlich steckten wir auch kurz nach 16.00 Uhr im Verkehrsgewühl der Innenstadt von Halle. Hier aber verfuhren wir uns total. Trotz mehrerer Nachfragen kurvten wir über eine Stunde durch die Stadt, bis wir endlich das Haus gefunden hatten.

Dieser Stress aber war auch schnell vergessen, als wir uns in einem Vierbettzimmer ausbreiten konnten, geduscht waren und uns umgezogen hatten. Viel an Stadtbesichtigung war zwar nicht mehr möglich, da wir aber die Besichtigungstour mit der Suche nach einer Pizzeria verbunden hatten, führte uns diese Suche letztlich doch durch einen Großteil der Innenstadt. Beim Rückweg in die Jugendherberge legten wir noch einen Stopp in einem tschechischen Lokal ein, in dem Prager Bier ausgeschenkte wurde - und damit war auch für unseren guten Schlaf gesorgt.