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Radtour neue Bundesländer

Berlin-Köthen

Foto, Sonne und Regen am Moddersee

Sonne und Regen am Moddersee

2005-05-10, Dienstag
Berlin-Köthen

Foto, Joachim bei Mittagsrast

Mittagsrast

Schwarz-grau sah der Himmel an diesem Morgen beim Aufstehen aus und passend dazu regnete es. Trotzdem waren wir so frühzeitig aus dem Bett, dass wir unmittelbar nach öffnen des Frühstücksraums dort Platz nahmen. Das war auch gut so, denn bald war dort jeder Stuhl besetzt und die sich bildende Schlange am Büfett und der Kaffeeausgabe riss nicht ab. Bei schönem Wetter hätte uns der Andrang beim Frühstück schnellstens auf die Räder getrieben, aber bei diesen trüben und nassen Aussichten war es schon kurz vor 09.00 Uhr, als wir unser Gepäck in die Halle schleppten und dann im Keller unsere Räder holen wollten. Dort bekam ich einen Riesenschreck: Unsere Fahrräder waren aus dem abgeschlossenen und mit Draht abgetrenntem Kellerabteil verschwunden.

"Geklaut," dachte ich sofort, ein anderer Gedanke kam mir gar nicht und auch Joachims Bemerkung, jemand von der Jugendherberge könnte die Räder an einem anderen Platz abgestellt haben, änderte nichts daran. Aufatmen konnte ich erst, als sich an der Rezeption Joachims Vermutung bestätigte und wir unsere Räder an anderer Stelle tatsächlich vorfanden.

Als wir dann endlich abfahrbereit waren, hatte wenigstens der Regen fast vollständig aufgehört und wir konnten auf das anziehen der Regenkleidung verzichten. Unsere Fahrtroute sollte erst entlang des Landwehrkanals Richtung Treptow führen, dann längs der B 96a südlich und weiter nach Königs Wusterhausen. Aber leider ließ sich die Strecke, die auf der Karte so einfach aussah, nicht so problemlos in die Wirklichkeit übertragen.

Immer wieder waren Stopps zum Karten lesen oder Erkundigungen bei Passanten notwendig und trotzdem fuhren wir mal einige Straßen zu weit oder bogen eine Abzweigung zu früh ab - die Strecke kostete Zeit, Umwege und Nerven. Um 13.00 Uhr und nach 40 km Fahrtstrecke hatten wir uns endlich bis Königs Wusterhausen vorgekämpft. Das Ergebnis dieser Etappe war für mich ganz eindeutig: Solche Strecken in Berlin sollte man als Ortsfremder nur mit der S-Bahn zurücklegen. Doch wir hatten endlich ein Zwischenziel auf der Strecke in den Unterspreewald erreicht und genehmigten uns deshalb erst einmal eine ausgiebige Kaffeepause.

Foto, Klappbrücke

Klappbrücke

Nach Königs Wusterhausen wurde die von uns gewählte Strecke wenigstens landschaftlich interessant und schön. Vorbei an Gewässern, durch Laub- oder Kiefernwälder hätte es sogar eine sehr schöne Tour sein können, wenn die Nebenwege weniger häufig Sandstrecken gewesen wären, die wir zeitweise nur schiebend bewältigten. Dabei konnten wir noch froh sein, dass die dicken Schauerwolken fast alle über uns wegzogen und sich woanders ausregneten. Nur zweimal mussten wir uns für wenige Minuten unterstellen, bis die Regenschauer abgezogen waren. Zwischen den Schauerwolken zeigte sich sogar öfters die Sonne und wir hofften, diesen Tag ebenso trocken zu überstehen, wie die vorhergehenden.

Leider war dem dann doch nicht so. Etwa 12 km vor Köthen hatten sich der Himmel ringsum schwarz bezogen und der Wind kräftig aufgefrischt. Gleich darauf fielen die ersten dicken Tropfen und wir konnten uns nur in die Werkseinfahrt einer Fabrik retten, als der Regen mit kräftigen Windböen auf die Erde gepeitscht wurde. So wie der Himmel sich darstellte, sah es auch nicht nach einem kurzen Schauer aus. Wir warteten eine halbe Stunde, doch die Aussichten wurden nicht besser, es wurde nur windiger und vor allem kälter. Wir entschlossen uns also die Regenkleidung anzuziehen und die restlichen Kilometer im Sturm und Regen hinter uns zu bringen.

Foto, Abendstimmung am KöthenerSee

Abendstimmung am Köthener See

Unter den mitleidigen Blicken des Pförtners am Werkstor stiegen wir auf und tief auf die Lenker geduckt radelten wir los. Der Regen ließ zum Glück nach einiger Zeit nach und die letzten Kilometer führten auch über gut ausgebaute Ortsverbindungsstraßen, so dass wir diese letzten zwölf Kilometer trotz des kalten Gegenwinds in einer knappen halben Stunde hinter uns bringen konnten.

In der Jugendherberge waren dann Nässe und Kälte ohnehin gleich vergessen, als wir unser Zimmer bezogen. Wir hatten ein großes Schlafzimmer mit drei Betten, einen kleineren Raum mit einem Bett und ein großes Bad mit Dusche und Wanne für uns zur Verfügung. Nach Herzenslust konnten wir unsere Gepäcktaschen und Rucksäcke ausleeren und alles ausbreiten. Und da wir in Köthen zwei Nächte bleiben wollten, taten wir das ausgiebig.

Nachdem wir geduscht und uns umgezogen hatten machten wir uns in den Ort auf, um auch dem Magen etwas zukommen zu lassen. Der aber musste enttäuscht werden. Köthen besteht aus nicht viel mehr als zwei Dutzend Häusern, einem schönen Dorfanger und dem Köthener See. Zum Wandern, Rad fahren, Baden und Boot fahren bei schönem Wetter ein herrlich ruhiger, idyllischer und erholsamer Ort. Für uns an diesem Abend allerdings etwas zu ruhig und abgelegen. Es gab zwar zwei Gaststätten, beide hatten jedoch geschlossen.

Wir drehten also eine Runde durch das Dorf und spazierten ein kurzes Stück entlang des Sees, dann gingen wir zurück in unsere Großraumwohnung, wo wir unser Abendessen mit Nüssen, Müsliriegeln und Bananen aus der noch verbliebenen Rucksackverpflegung bestritten.