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Wanderwoche Vierwaldstätter See

Weg der Schweiz

Foto, Joachim bringt die Autobahnvignette am Pkw an

Am Rütli

2004-09-12, Sonntag
Weg der Schweiz

Beim Aufwachen um 07:00 Uhr galt der erste Blick dem Himmel - und wie gestern schon befürchtet, sah dieser ziemlich grau und nach Regen aus. Also sollte es wohl bei der am Vortag beschlossenen Wanderung entlang des"Wegs der Schweiz" bleiben. Ausgangspunkt dieses Weges ist das Rütli und dort wollten wir auch starten. Das hieß aber auch, wir mussten um 09:45 Uhr in Brunnen sein, um von dort mit dem Schiff zur Anlegestelle Rütli zu gelangen.

Da wir die Straße entlang des Sees noch nicht kannten, wählten wir für die Hinfahrt die etwas längere Autobahnanfahrt. Wir rechneten mit einer halben Stunde Fahrzeit und fuhren um 08:45 Uhr in Luzern ab. Eine Umleitung in Brunnen und Parkplatzsuche ließen die Zeit dann aber doch knapp werden. Wir konnten gerade noch die Billette kaufen, als das Motorschiff schon anlegte und dann, pünktlich wie man es von einer Schweizer Verkehrsgesellschaft erwartete, ablegte und südöstlich weiter in den Urner See einfuhr.

Die ganze Zeit herrschte schon trübes und nieseliges Wetter. Hin und wieder stiegen die Wolkenfelder aber auch aufwärts, gaben den Blick in Richtung Flüelen und zurück nach Brunnen frei und es kam zeitweise auch ein Sonnenstrahl durch die Wolkendecke.

Foto, Das ''Seeli'' bei Wald

Das "Seeli" bei Wald

Kurz vor der Schiffsanlegestelle Rütli passierte das Schiff den nahe am Ufer aus dem Wasser ragenden Schillerstein, dann war auch schon der Anleger erreicht und wir verließen mit einer Schweizer Schulklasse und einem halben Dutzend anderer Wanderer das Motorschiff.

Der "Weg der Schweiz" wurde im Jahr 1991 zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft eingeweiht. Er führt über eine Länge von 36 km vom Ausgangspunkt Rütli um den Urner See nach Brunnen, wo er auf dem "Platz der Auslandsschweizer" endet. Jedem Kanton ist ein Wegstück zugeordnet, wobei die Länge in Relation zur Einwohnerzahl des jeweiligen Kantons steht. Die Abschnitte der einzelnen Kantone reihen sich chronologisch, dem Beitritt der Kantone in den Bund entsprechend, aneinander. So bilden die Urkantone mit dem Kanton Uri den Auftakt, der letzte Abschnitt ist dem 1979 beigetretenen Kanton Jura zugeordnet. Der Anfang jedes Kantonsabschnitts wird durch große Marmorsteine markiert, die das Kantonswappen und das Beitrittsjahr tragen.

Vom Schiffsanleger ging es in wenigen Minuten aufwärts, kurz unterhalb der Rütli wird der "Drei-Länder-Brunnen" passiert und dann die Rütli-Wiese erreicht, das Nationalheiligtum der Schweiz. Hier sollen Vertreter der drei Urkantone den Schwur zum "ewigen Bund" getan haben, aus dem im Laufe der Jahrhunderte die heutige Schweizer Eidgenossenschaft hervorging.

Bei diesem Licht, das uns zuerst begrüsst
Von allen Völkern, die tief unter uns
Schweratmend wohnen in dem Qualm der Städte,
Lasst uns den Eid des neuen Bundes schwören.

- Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
In keiner Not uns trennen und Gefahr.

Alle sprechen es nach mit erhobenen drei Fingern.

- Wir wollen frei sein wie die Väter waren,
Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.

Wie oben.

- Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

Wie oben. Die Landleute umarmen einander

(Rütli-Schwur in: Friedrich von Schiller, Wilhelm Tell,
2. Aufzug, 2. Szene)

Als Mitte des 19. Jahrhunderts der Plan für einen Hotelbau auf der Rütli entstand, ermöglichte eine Spende der Schweizer Jugend den Geländeerwerb durch die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft, die das Rütli 1860 der Schweizerischen Eidgenossenschaft schenkte.

Foto, Blick aus der Felsengalerie

Blick aus der Felsengalerie

Ich empfand das Rütli als einen der sympathischsten Gedenk- und Erinnerungsplätze: Eine idyllisch über dem See gelegene Wiese mit drei archaisch wirkenden Steinbänken unter einer kleinen Baumgruppe; keine Gedenktafel, keine Statue und kein Denkmal stören den Mythos des Ortes. Einzig sichtbares Zeichen seiner "offiziellen" Eigenschaft als Nationaldenkmal ist ein Fahnenmast mit der Schweizer Staatsflagge.

Vom Rütli ging es mit einem bequemen Weg durch Wald aufwärts, vorbei an der Bergstation der Treib-Seelisberg-Bahn, in das 350 m höher gelegene Seelisberg. Das Wetter hatte sich ein wenig gebessert und von dem jetzt neben der Fahrstraße verlaufenden Weg hatten wir herrliche Ausblicke zum See und hinunter zur jetzt 400 m unter uns liegenden Rütli. Und da sich wenigstens zeitweise auch die Wolken im Süden verzogen, ging der Blick bis nach Flüelen und darüber hinaus in das Reusstal, wo der Flusslauf als silbernes Band deutlich erkennbar war.

Bald ging es von der Fahrstraße ab wieder in hoch aufragenden Tannenwald, wo ein idyllischer Rastplatz nochmals tolle Tiefblicke zum See ermöglichte. Ohne Steigungen führte der Weg jetzt ein wenig abseits des Sees zum Weiler Wald mit dem kleinen Teich "Seeli". Dort war es dann aber endgültig notwendig geworden die Regenkleidung anzuziehen, denn das bisherige dünne Nieseln hatte sich zu einem richtigen Regen entwickelt.

Unser bisher ruhiges Wandertempo wurde durch den Regen aber beschleunigt und bald hatten wir den Weiler Wissig passiert und der vorher schon leicht fallende Weg ging jetzt in einen Treppenweg über, der steil seewärts führte. Hier war ein alter Säumerweg mittels der Stufenanlage ausgebaut und seiner natürlichen Umgebung angepasst worden. Trotzdem aber sind mir auch steile Bergwege ohne Stufen lieber, hier sollen es 850 sein - wir haben sie nicht gezählt - mit denen der Höhenunterschied von 260 m bis Bauen überwunden wird.

Bauen ist das kleinste Dorf des Kantons Uri mit nur knapp 200 Einwohnern. Wunderschön ist seine idyllische Lage am Wasser, eingerahmt von den Nidwaldner Bergen, das Dorfbild geprägt von der kleinen Pfarrkirche am See. Seiner geschützten Lage verdankt Bauen ein fast mediterranes Klima, das auch Palmen, Feigensträucher, und Bananenpflanzen gedeihen und sogar Früchte tragen lässt. Der Komponist der Schweizer Landeshymne "Trittst im Morgenrot daher", Pater Alberik Zwyssig, wurde 1808 in Bauen geboren. Ihm ist ein Denkmal gewidmet, sein Geburtshaus beherbergt heute einen Gastronomiebetrieb.

Das wir zur Mittagszeit Bauen erreichten traf sich gut, denn so hatten wir einen Grund, um im "Gasthaus Schützen" wenigstens eine ordentliche Suppe zu uns zu nehmen.

Foto, Tellkapelle auf der Tellenplatte

Die Tellkapelle auf der Tellenplatte

Hatte es kurz vor unserer Ankunft in Bauen zu regnen aufgehört, fing es jetzt beim Weitermarsch wieder mit leichtem Nieselregen an, der aber auf unserem Weiterweg in Richtung Isleten auch bald wieder nachließ.

Der Weg führte völlig eben ständig am Seeufer entlang, wobei der interessanteste Teil die durch Galerien und Felstunnel führende Wegstrecke war. Von den Felsdurchbrüchen ergaben sich immer wieder neue Bilder auf den See und zum Ostufer. Dieses Wegstück war der einzige Abschnitt seit der Rütli, wo uns Wanderer begegneten. Hinter Isleten führte der Weg weiter dicht entlang des Sees, während uns zur Rechten die auf Betonstelzen geführte Autostraße begleitete.

Je weiter wir uns dem Ende des Sees näherten, desto mehr gewannen wir einen Überblick über das sich hier ausbreitende Reussdelta. Hier bog der Weg auch wieder von der Autostraße weg und führte uns direkt in das Naturschutzgebiet hinein. Es wurden kleine Wasserarme überquert, dann ging es mit einer hölzernen Bogenbrücke über die Reuss auf Flüelen zu. Durch ein Gewerbegebiet und ein kurzes Stück entlang der Straße, dann vorbei am Bahnhof erreichten wir kurz nach 16:00 Uhr den Schiffsanleger, wo das Dampfschiff "Schiller" lag.

Da wir ohne jegliche Zeitvorstellung und -vorgabe morgens am Rütli losgegangen waren, hatten wir uns nicht um Rückkehrmöglichkeiten nach Brunnen gekümmert. Der erste Blick galt also dem an der Schiffsanlegestelle aushängenden Fahrplan. Um 16:20 Uhr sollte diesem zufolge die Abfahrt der "Schiller" nach Brunnen erfolgen. Es bedurfte keiner langen Beratung und wir entschieden uns für eine gemütliche Dampferfahrt nach Brunnen. Wir hatten gerade noch Zeit die Billette zu lösen, als der Raddampfer "Schiller" auch schon ablegte.

So sahen wir auf der Rückfahrt den Großteil unseres Wegeverlaufs und die Anlegestationen Isleten, Brunnen und Rütli jetzt noch von der Wasserseite. Und auch die Anblicke der Tellskapelle auf der Tellenplatte und von Sisikon konnten wir vom Wasser aus genießen, bevor nach 1 Stunde Fahrt unsere morgendliche Abfahrtsstelle in Brunnen wieder erreicht wurde.

Für die Autofahrt nach Luzern schlug Joachim die Strecke entlang des Sees vor, womit ich gerne einverstanden war und so erreichten wir über die Seeorte Gersau, Vitznau, Weggis und Küssnacht eine Stunde später wieder die Jugendherberge.

Da die Suppe in Bauen nicht die einzige warme Tagesmahlzeit bleiben sollte, waren wir eine Stunde später wieder an der Bushaltestelle und unterwegs in die Luzerner Innenstadt. Nachdem wir die Aushänge diverser Restaurants studiert hatten, landeten wir wieder in einer Pizzeria, in der es uns allerdings nicht ganz so gut gefiel wie in der am Vorabend.

Für den nächsten Tag hatten wir uns auf die Tour zum Pilatus festgelegt, vorausgesetzt das Wetter würde mitspielen. In dieser Hinsicht war Joachim aber voller Optimismus und da ich diese Tour natürlich auch gerne machen wollte, ließ ich mich schnell von diesem Optimismus anstecken.