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Wanderwoche Vierwaldstätter See

Wilhelm Tell

Foto, Schillerstein am Eingang des Urner Sees

Der "Schillerstein" am Eingang des Urner Sees

Überall in der Schweiz - und der Innerschweiz im Besonderen - ist die Erinnerung an Wilhelm Tell wach. Sei es in Straßennamen, Tellkapellen, Gemälden, Denkmälern usw., auch auf der Rückseite der 5-Franken-Münze, findet sich sein Bildnis, Wilhelm Tell ist allgegenwärtig. Und das, obwohl es keine gesicherten Beweise für Tells Existenz gibt, Gegenbeweise allerdings auch nicht.

Wenn auch kein entsprechendes Zeitdokument existiert, so ist es doch nicht unwahrscheinlich, dass um 1300 tatsächlich ein Geschehen eintrat, ein Zeichen gesetzt wurde, das den Boden für die Sagengestalt und den Mythos Wilhelm Tell bereitet hat und ein historischer Kern der Tell-Erzählung innewohnt.

Erste schriftliche Aufzeichnungen finden sich in dem "Weissen Buch von Sarnen", in dem Hans Schriber aus Obwalden um 1470 Urkunden zum Ursprung der Eidgenossenschaft zusammenstellte und worin auch die Tellerzählung enthalten ist. In die Zeit um 1477 wird das "Alte Tellenlied" (worin aber z. B. der "Tellensprung" nicht erwähnt wird) datiert und eine Chronik des Melchior Russ aus Luzern entstand 1482. Um 1500 entstand mit dem "Urner Tellspiel" eine Bearbeitung des Tellstoffes für die Bühne, mit der eine jahrhundertelange Theatertradition begründet wurde.

Im Laufe der Jahre wurde die Tellsgestalt immer mehr zu einer Identifikationsfigur für Freiheit und Unabhängigkeit von fremder Herrschaft. Das Zeitalter der Aufklärung und die französische Revolution taten ein Übriges. Ein Höhepunkt wurde erreicht mit Schillers Drama "Wilhelm Tell", das am 17.3.1804 im Hoftheater in Weimar uraufgeführt wurde und ein weiterer mit der gleichnamigen Oper von Giacomo Rossini, deren Uraufführung am 3. August 1829 am Théâtre de l' Académie Royale de Musique in Paris stattfand.

Schiller hat zwar die Schauplätze seines Dramas nie persönlich besucht, wer aber heute an den Vierwaldstätter See kommt, der sieht Tells Land mit Schillers Drama im Kopf und die Landschaft scheinbar geprägt von den Szenen aus "Wilhelm Tell". So war es auch nur folgerichtig, dass die drei Urkantone zum 100. Geburtstag Schillers die Herrichtung eines Gedenksteins für Schiller beschlossen.

Dieser "Schillerstein" steht als aus dem Wasser hochragendes Riff nahe dem Ufer am Eingang zum Urner See. Der Fels war schon seit Jahrhunderten unter dem Namen "Mythenstein" bekannt und ragte ursprünglich 40 m über den Wasserspiegel. 1838 wurde der Fels um ein Drittel gekürzt, da herabstürzende Steine die Schifffahrt gefährdeten. Dieser "Mythenstein" wurde mit einer Aufschrift aus vergoldeten Lettern zum Schillerstein umgestaltet, deren Worte lauten:

DEM
SÄNGER TELLS
F. SCHILLER
DIE
URKANTONE
1859

Ob Wilhelm Tell nun eine reale Person der eidgenössischen Geschichte war oder deren Sagengestalt ist: Die historische Entwicklung der Schweiz ist ohne Tell nicht denkbar. Wenn Tell "nur" eine Sagengestalt ist, so ist die Sage selbst zu einem Fakt in der Schweizer Vergangenheit und Gegenwart geworden.

Nein eine Grenze hat Tyrannenmacht:
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
Wenn unerträglich wird die Last - greift er
Hinauf getrosten Mutes in den Himmel
Und holt herunter seine ew'gen Rechte,
Die droben hangen, unveräusserlich
Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst -
der alte Urstand der Natur kehrt wieder,
Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht -
Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr
Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben
Der Güter höchstes dürfen wir verteid'gen
Gegen Gewalt - Wir stehn vor unser Land,
Wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder!

(Stauffacher auf dem Rütli, in: Friedrich von Schiller, Wilhelm Tell,
2. Aufzug, 2. Szene.)