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Wanderwoche Vierwaldstätter See

Rigi

2004-09-17, Freitag
Rigi

Foto, Talstation der Rigi-Zahnradbahn

Talstation der Rigi-Zahnradbahn

Woher auch immer wir am gestrigen Abend die Hoffnung auf besseres Wetter für den heutigen Tag hatten: Heute Morgen war der Himmel genauso dunkel und wolkenverhangen wie in den letzten Tagen. Und wir hatten uns für heute die Wanderung über die Rigi vorgenommen. Da diese Wanderung auf meiner Planungsliste stand, wollte ich diese Tour ja auch sehr gerne machen, aber so wie es jetzt draußen aussah, hatte ich doch starke Zweifel, ob das die richtige Wanderung für heute sei. Ich hatte auch nicht viel Hoffnung, dass sich die Wettersituation im Laufe der nächsten Stunde bessern könnte. Aber wie auch immer - es war 07:00 Uhr und Zeit zum Aufstehen, beim Frühstück war noch Zeit sich etwas anderes zu überlegen. Aber für Joachim war alles klar: Heute war unser letzter Tag am Vierwaldstätter See und damit auch die für uns letzte Möglichkeit auf die Rigi zu gehen, das Wetter dafür sei durchaus in Ordnung. Es blieb also bei diesem Ziel.

Für die Rigi-Wanderung hatte ich die Auffahrt mit der Zahnradbahn von Vitznau nach Rigi Kulm geplant, von dort die Wanderung nach Rigi Scheidegg und dann den Abstieg nach Gersau. Das war keine ganz kurze Tour, reine Gehzeit etwa 5 1/2 Stunden, dazu die An- und Rückfahrt. Da die Entscheidung zur Rigi geblieben war, waren wir kurz nach 08:30 Uhr bereits mit dem Wagen unterwegs nach Vitznau.

Während der Fahrt nach Vitznau zweifelte ich immer mehr daran, dass wir die richtige Entscheidungen getroffen hatten. Die Wolkenuntergrenze lag zwar etwas höher als an den letzten Tagen und darunter waren weniger Nebel- und Dunstschleier, aber die Wolkendecke selbst war eine kompakte graue Masse, die nirgendwo einen hoffnungsvollen Sonnenstrahl durchließ.

Joachims Zuversicht aber war ungebrochen und so parkten wir den Wagen auf dem Parkplatz der Rigi-Bahn, nahe dem Schiffsanleger. Es war kurz nach 09:00 Uhr als wir die Bahntickets lösten und dann in einen Wagen der bereitstehenden Bahn einstiegen. Was mich nur wunderte, war, dass weit mehr Menschen als von mir gedacht heute die Fahrt auf die Rigi antraten. Wäre ich allein gewesen, bei dem Preis von 32,00 CHF (21,30 Euro) für die Auffahrt hätte ich die Fahrt bei den momentanen Wetteraussichten wohl nicht angetreten.

Foto, an der Zahnrad-Bergstation Rigi Kulm

An der Zahnrad-Bergstation Rigi Kulm

Nun aber saßen wir im Wagen der Rigi-Bahn, der schließlich voll besetzt war, dann zog die Bahn an und es ging aufwärts. Sah man zu Beginn noch Vitznau und den See im Rückblick, so hüllten uns schon bald darauf Nebel und Wolken ein und nur das Fahrgeräusch und der schräg aufwärts zeigende Wagenboden wiesen auf die Bergfahrt hin. Das dunkle Grau vor den Fenstern wechselte langsam zu einem hellen milchigen Weiß, ohne deshalb mehr Sicht zu gewähren und ich sah sah wieder einen Tag mit Nebelwanderung vor uns.

Dann aber riss von einem Moment zum nächsten der dichte Dunstschleier auf, blauer Himmel schien hindurch und wir befanden uns plötzlich im schönsten Sonnenschein und unter uns breitete sich ein dichter weißer Wolkenteppich aus. Alles war begeistert und auch Joachim und ich strahlten. Am nächsten Haltepunkt Rigi Kaltbad waren wir uns sicher, dass uns ein herrlicher Wandertag erwarten würde.

Mit der Ankunft an der Endstelle Rigi Kulm (1.797 m) war unser Ausgangspunkt für die Rigiwanderung erreicht. Zuerst kam die Fleecejacke wieder in meinen Rucksack und die Sonnenschutzmittel griffbereit in die Hosentasche. Dann ging es natürlich erst die wenigen Dutzend Höhenmeter auf die Kuppe der Rigi. Es war eine überwältigende Aussicht zu den Schneebergen am Horizont, dazwischen das weiße Wolkenmeer aus dem einzelne Kuppen wie Inseln herausragten und dazu der Blick über das weitläufige Wandergebiet hier oben an der Rigi, das in der Sonne badete. Dass Täler und Seen unter den Wolken verborgen lagen, spielte überhaupt keine Rolle.

Joachim hätte sich am liebsten ins Gras gesetzt und nur geschaut und ich musste daran erinnern, dass Rigi Kulm für uns nicht Endpunkt sondern Start der Wanderung war. Bei regnerischem Wetter ist es meist umgekehrt und Joachim muss mich zum Weitergehen motivieren.

Von Rigi Kulm ging es jetzt wieder abwärts und dann ein Stück entlang der Gleise nach Rigi Staffel und weiter nach Staffelhöhe. Von dort führte der Wanderweg zum Chäntzeli, von wo auch ich mich nur schwer losreißen konnte. Über den Gratweg ging es noch weiter abwärts, bis uns ein ebener Weg, vorbei an der Felsenkapelle "St. Michael von Rigi Kaltbad" nach Rigi Kaltbad (1.436 m) brachte.

Foto, Umschau von der Rigi

Umschau von der Rigi

Dann führte uns der Kaltbadweg zum Sattel von First und wir wechselten auf den Scheideggweg. Vom Scheideggweg aus sah meine Planung einen Übergang auf den Felsenweg vor, der bei der Alp Scheid wieder auf den Scheideggweg trifft. Der Felsenweg, bekannt für seine Tiefblicke zum Vierwaldstätter See, aber war gesperrt. Da das Wolkenmeer unter uns aber ohnehin die Talblicke nicht zuließ, störte uns die Sperrung nicht und wir wanderten mit dem Blick über die sonnenbeschienenen Grashänge der Rigi weiter Richtung Unterstetten.

Am grasbewachsenen Abhang des Dossen legten wir an einem schattigen Plätzchen eine gemütliche Rast ein, bevor es auf einer alten Bahntrasse der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Rigi Kaltbad und Rigi Scheidegg weiterging. Auf einem kurzen Kammweg vor Rigi Scheidegg konnten wir dann sogar noch den Zuger See aus der Tiefe heraufblinken sehen, denn dort hatten sich die Wolken fast vollständig aufgelöst, während über dem Vierwaldstätter See noch dichte Dunstschleier lagen, unter denen der See nur zu erahnen war.

Foto, Tiefblick zum Zuger See, kurz vor Rigi-Scheidegg

Tiefblick zum Zuger See, kurz vor Rigi-Scheidegg

In Rigi Scheidegg (1.656 m) hatten wir den letzten Punkt unserer Wanderung an der Rigi erreicht. Hier begann jetzt der Abstieg nach dem rund 1.200 m tiefer gelegenen Gersau.

Ziemlich steil ging es zuerst über Abhänge und Wiesen hinunter, dann bequem weiter zum Gätterli, einem Passübergang und tiefen Einschnitt zwischen Rigi Scheidegg und Hochflue mit schön gelegener Gaststätte. Einen nahe gelegenen idyllischen Aussichtspunkt hätten wir gerne länger als die wenigen Minuten genossen, die wir dort im Sonnenschein verbrachten. Aber es wartete noch ein gutes Stück Weg auf uns. Teils durch Wald, teils über Wiesengelände ging es abwärts zu den Häusern von Chäppeliberg, weiter über sonnige Wiesensteige nach Rotzingel und dann weiter durch schattigen Wald in die Teuffischlucht. Der durch diese wildromantische Schlucht steil abwärts führende schmale Steig forderte mit seinen Felsstufen und der teils dicht am Abgrund verlaufenden Wegführung nochmals einiges an Aufmerksamkeit und Anstrengung. Als wir die schon recht düstere Schlucht verließen, waren auch schon die ersten Häuser von Gersau erreicht und entlang des Baches ging es durchs Dorf zur Uferstraße.

Es war die perfekte Ankunftszeit, denn der Bus nach Vitznau stand abfahrbereit an der Haltestelle, als sei er zu diesem Zeitpunkt für uns bestellt. Einsteigen, bezahlen und setzen, es war 17:35 Uhr und der Bus fuhr los. Von Vitznau ging es dann wieder entlang der Uferstraße nach Luzern und gegen 18:30 Uhr waren wir an der Jugendherberge. Dort konnten wir bis 19:30 Uhr ein Abendessen bekommen, sodass die Zeit bis dahin gut zum Duschen und Umziehen reichte.

Nach diesem perfekten Tag konnte es nur noch einen angemessenen Abschluss geben und so fuhren wir nach dem Abendessen noch mit dem Bus nach Luzern und nahmen dort in einer Gaststätte der Altstadt und am Ufer der aus dem See abfließenden Reuss Abschied von dem heutigen Tag und vom Vierwaldstätter See.