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Wanderwoche Vierwaldstätter See

Pilatus

2004-09-13, Montag
Eigental - Pilatus - Fräkmünt

Als kurz vor 07:00 Uhr der Wecker klingelte, war ich schon wach und hatte auch schon aus dem Fenster geschaut. Es regnete nicht und der Dunst sah mehr nach Frühnebel als tief hängenden Wolken aus; die gestrige Hoffnung auf einen heutigen Schönwettertag schien sich zu bestätigen. Da fiel das Aufstehen noch leichter und schon kurz nach 07:30 Uhr saßen Joachim und ich beim Frühstück. Tatsächlich begann sich der Dunst aufzulösen und der blaue Himmel war schon zu erahnen.

Foto, kurze Rast auf Ober-Lauelen

Kurze Rast auf Ober-Lauelen

Damit war klar, dass heute die Tour auf den Pilatus dran sein würde. Von Luzern nach Kriens wollten wir mit dem Auto fahren und dann mit dem Postbus ins Eigental. Von dort sollte die Wanderung dann über Ober-Lauelen und den Klimsensattel zum Pilatusgipfel gehen. Der Rückmarsch dann wieder zum Klimsensattel, von dort nach Fräkmünt und das letzte Teilstück mit der Gondelbahn nach Kriens zurück.

Die Abfahrtszeit des Postbusses in Kriens hatte ich von zu Hause aus nicht ermittelt und wir machten uns deshalb schon kurz nach 08:30 Uhr auf den Weg. Nach Kriens waren es weniger als 10 km und wir befanden uns schon im Ortsteil Obernau, als wir eine Haltestelle der Postbuslinie ins Eigental erreichten. Laut Fahrplan war die nächste Abfahrt in einer halben Stunde. Das passte zeitlich prima, denn wir brauchten noch einen Parkplatz für den Wagen. Wieder zurück an der Haltestelle ersahen wir aus dem Fahrplan, dass mit der Postbuslinie eine Direktverbindung vom Bahnhof Luzern in das Eigental bestand. Die Anfahrt mit dem Wagen hätten wir uns also sparen können. Aber das war nun Nebensache und bei unserer Rückkehr vielleicht doch noch von Vorteil.

Was viel schlimmer war: Ich wollte meinen Fotoapparat aus dem Rucksack holen und musste feststellen, dass ich diesen in der Jugendherberge zurückgelassen hatte. Aber daran war jetzt nichts mehr zu ändern. Ausgerechnet heute, herrlichstes Sonnenwetter und der Aufstieg zu einem berühmten Aussichtsberg und keine Kamera dabei. Und auch Joachim hatte nur wenige Bilder noch auf seinem Film frei. Na ja, nichts zu ändern, der Bus kam und es ging ins Eigental.

Foto, Blick vom Klimsensattel

Blick vom Klimsensattel

Eine gut halbstündige Fahrt auf schmaler und kurvenreicher Strecke mit entsprechend häufigem Hupeinsatz brachte uns 550 m aufwärts zur Haltestelle "Gasthaus Eigental", an der ehemaligen Haltestelle Kurhaus Eigental. Auf den Wegzeichen entdeckten wir auch unser Ziel und so starteten wir bei schönstem Wetter um 10:00 Uhr zu unserem Ziel Pilatus.

Ein ganzes Stück oberhalb der im Tal fließenden kleinen Rümlig zog der Weg fast eben und dann sanft zum Bachlauf abfallend dahin. Eine herrliche Aussicht gewährte die Wegführung über das idyllische Tal bis zu den Bergen. Ein kurzes Stück ging es dann noch dicht neben der Rümlig entlang, bis der Weg nach links in den Wald abzweigte. Jetzt führte der Pfad teils mit Serpentinen, teils gradlinig und oft mehr einem ausgetrockneten Bergbachbett ähnlich als einem Bergpfad, stramm aufwärts. Es wurde uns ordentlich warm auf diesem Teilstück nach Ober-Lauelen, obwohl der Weg meist im schattigen Wald verlief.

Als wir aus dem Wald traten und das leicht hügelige Almgelände von Ober-Lauelen erreicht hatten, waren die ersten 300 Höhenmeter geschafft. Der am Ausgangspunkt noch so fernen Nordseite des Pilatus waren wir hier deutlich näher. An Höhe schienen wir aber nicht viel gewonnen zu haben, denn von hier aus präsentierte der Pilatus die ganze Hohe seiner 800 m steil aufwärts ziehenden Nordflanke. Weit über uns konnten wir am Kamm des Pilatus deutlich die Gipfelbauten zu erkennen, ebenso das Kreuz auf dem 200 m niedrigeren Klimsenhorn. Im Anblick der aufragenden Wand legten wir eine Rast ein und fragten uns dabei, wie der Weg wohl weiter führen würde.

Foto, Blick vom Pilatus Esel

Blick vom Pilatus Esel

Wir dachten nicht, dass der Aufstieg tatsächlich seine Spur durch diese Nordwand nähme. Das war aber doch der Fall. In engen Serpentinen oder steil über Felsstufen brachte uns der "Heitertannliweg" von den Almwiesen Ober-Lauelens aus einer Höhe von 1.330 in fast senkrechter Linie aufwärts durch die Pilatus-Nordflanke zum Klimsensattel auf 1.869 m. Es war zwar kein schwieriger Weg, dafür aber war er steil und anstrengend. Wir kamen ordentlich ins Schwitzen und so war es kein Wunder, dass wir bei Erreichen des Klimsensattels wenigstens eine kurze Rast hielten.

Der Platz war dafür auch wie geschaffen. Eine kleine Kapelle aus dem Jahr 1860 steht hier am Sattel, ein dort ebenfalls um 1860 gebautes Hotel wurde etwa 100 Jahre später wieder vollständig abgerissen. Vom Sattel blickten wir auf der einen Seite hinunter zum Vierwaldstätter See, im Rückblick konnten wir unseren bisherigen Wegverlauf bis zum Startpunkt überblicken und noch weit darüber hinaus ging der Blick bs zu den Bergen am Horizont. Knapp 300 m über unserem Standort war der Pilatus-Esel zu sehen und die Bauten am Gipfelkamm. Dorthin führte ein steiles Geröllfeld, in dem wir teilweise den hinaufziehenden Steig erkennen konnten.

Dieser Pfad bildete das letzte Teilstück auf dem Weg zum Pilatusgipfel. In vielen engen Serpentinen und steil aufwärts, trotzdem aber weit weniger anstrengend als der Anstieg zum Klimsensattel, führte der Steig aufwärts zum Felsspalt "Chriesiloch", das mittels einer Metallleiter überwunden wird. Von hier ging es durch eine Felsgalerie, deren Durchbrüche vielfältige Ausblicke ermöglichten, zur großen Terrasse vor den Hotelgebäuden und den Stationen der von Kriens heraufführenden Seilbahn und der aus Hergiswil den Pilatus erklimmenden Zahnradbahn.

Foto, Auf dem Tomlinshorn

Auf dem Tomlinshorn

Wie es bei einem Aussichtsberg vom Bekanntheitsgrad des Pilatus und bei diesem schönen Wetter nicht anders zu erwarten war, herrschte hier natürlich ein Betrieb wie am Hauptbahnhof. Nach kurzer Umschau von der Terrasse zog es uns die letzten Meter zur Aussichtsplattform auf dem 2.120 m hohen Pilatus-Esel. Nachdem wir die letzten Stunden nur zwei anderen Bergwanderern auf unserem Weg begegnet waren, kam es mir jetzt etwas seltsam vor, mit ganzen Reisegesellschaften auf einem Treppenweg die letzten Meter zum Aussichtspunkt zu steigen. Aber der Blick von dort oben bestätigte, dass der Pilatus zu Recht einen der vordersten Ränge in der Reihe bekannter Aussichtsberge innehat.

Der Kranz der gletscherbedeckten Berge am Horizont, die Tiefblicke zum Vierwaldstätter See, hinab ins Eigental und in die Schluchten des Pilatus, darüber der sommerlich blaue Himmel, waren fantastisch. Allerdings zogen seit kurzem immer häufiger Wolkenbänke aus der Tiefe von Südwesten herauf, die mich schlechteres Wetter befürchten ließen. Zum Glück aber ging dieser Spuk schnell vorbei und wir überlegten, was noch unternommen werden könnte.

Es war klar, dass wir die wenigen Minuten und Meter zum Aussichtspunkt auf der Kammhöhe noch gehen wollten. Außerdem gab es aber noch das am westlichen Pilatuskamm liegende Tomlishorn, das mit 2.129 m zwar nur wenig höher ist als der Pilatus-Esel, aber immerhin. Ein Hinweisschild gab 40 Minuten Wegzeit bis dorthin an und, da es ein gut begehbarer und fast ebener Weg war, der aussichtsreich unmittelbar an den steil abfallenden Felswänden geführt wurde, gab es keine lange Diskussion und wir zogen Richtung Tomlishorn.

Wir haben diese Entscheidung nicht bereut. Ein echter Spazierweg mit herrlicher Aussicht, bis auf die letzten Meter völlig eben und gut befestigt, dabei immer gut gesichert und unmittelbar am Abgrund verlaufend. Mit Joachim und mir standen nur vier, fünf Leute auf dem Tomlishorn und der Trubel am Pilatus-Esel schien kilometerweit entfernt. Wir fütterten die frechen Kolkraben und beobachteten ein kleines Rudel Steinböcke, die sich nur wenig unterhalb auf einem grasbewachsenen Felsvorsprung in der Sonne aalten. Fast vergaßen wir die Zeit und den noch vor uns liegenden Abstieg. So war es schon kurz nach 16:00 Uhr, als wir wieder an den Hotelterrassen ankamen und den Aufstiegsweg vom Klimsensattel nun im Abstieg begingen.

Hatten wir den Klimsensattel beim Aufstieg von Westen erreicht, so ging es nun auf der Ostseite in engen Serpentinen das steile Geröllfeld hinab, während hoch über uns die Gondeln der Luftseilbahn zwischen Fräkmünt und Pilatus schwebten.

Zu Beginn mussten wir zwar nicht über Felsen oder Steinblöcke abwärts steigen, aber in dem feinen Geröll, das vom Regen des vergangenen Tages noch zusätzlich feucht und schmierig war und in dem steilen Gelände, mussten wir doch sehr aufpassen, um nicht ins Rutschen zu geraten. Eine solche Rutschpartie wäre sicherlich böse ausgegangen.

Am Ende des Geröllfeldes ging der Weg steil weiter abwärts, jetzt aber über glatte Felsstufen und Steinblöcke, die durch nasses Erdreich ebenfalls ihre Tücken hatten. So brachten uns die beiden Teilstücke des Abstiegs doch gehörig ins Schwitzen und wir waren froh, als die Häuser von Fräkmünt vor uns lagen. Wir konnten auch manchmal erkennen, dass sich Gondeln talwärts bewegten, also war der Seilbahnbetrieb noch nicht eingestellt. Es war aber auch schon bald 17:30 Uhr und so machte ich noch einmal etwas Tempo zur Liftstation.

Als wir ankamen, fuhren weiterhin Gondeln zu Tal, aber der Gebäudezugang war versperrt. Es war 17:35 Uhr und laut Fahrplan war seit 5 Minuten die Betriebszeit verstrichen. Wir klopften einige Male an die Scheiben und rüttelten an den Türen, aber nichts regte sich; nur die leeren Gondeln schwebten weiter in Richtung Kriens.

Uns schien nichts anderes übrig zu bleiben, als auch noch die 900 m Höhenunterschied bis Kriens zu Fuß zu bewältigen. Ich hatte mich schon damit abgefunden und zu Joachim gewandt um die Richtung zum Talweg einzuschlagen, als die Eingangstür geöffnet wurde und uns ein Angestellter der Liftgesellschaft fragte, ob wir noch hinunter wollten. Und ob wir wollten! Ich hatte erst gar nicht kapiert, was der Mann fragte, hielt es auch kaum für möglich, dass nach der offiziellen Betriebszeit uns noch jemand fahren lassen würde. Aber tatsächlich: Dieser nette Mensch ließ uns in eine der talwärts fahrenden Gondeln einsteigen. Er musste wegen uns nochmals die Kasse öffnen, wir suchten den Betrag passend zusammen, erhielten die Tickets und stürzten in Windeseile in eine Gondel.

Unsere Stimmung bei der Talfahrt war grandios und sie wurde besser mit jedem Meter des Weges, den wir in der Gondel zurücklegten, während sich der Talweg unter uns ebenfalls nach Kriens zog. Was waren wir froh, dass wir diese Wegstrecke nicht zu Fuß zurücklegen mussten!

Die 15 Minuten Fußweg von der Talstation zum Autoparkplatz waren in Anbetracht der Einsparung ein Genuss und weitere zwanzig Minuten später waren wir wieder in der Jugendherberge. Dort nahmen wir heute auch unser Abendessen ein und studierten anschließend in den Zeitungen die Wetterberichte, denen aber leider keine angenehmen Voraussagen für den nächsten Tag zu entnehmen waren.Die ganze Zeit herrschte schon trübes und nieseliges Wetter. Hin und wieder stiegen die Wolkenfelder aber auch aufwärts, gaben den Blick in Richtung Flüelen und zurück nach Brunnen frei und es kam zeitweise auch ein Sonnenstrahl durch die Wolkendecke.