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Wanderwoche Erzgebirge

Anreisetag: Weilburg - Johanngeorgenstadt

2006-09-02, Samstag
Weilburg - Johanngeorgenstadt

Foto, Joachim und ich fertig zur Abfahrt ins Erzgebirge

Joachim und ich fertig zur Abfahrt ins Erzgebirge

Kurz nach 09.00 Uhr und damit fast pünktlich zur verabredeten Zeit fuhr Joachim mit seinem Wagen bei mir vor. Meine Reisetasche, der Rucksack und die Wanderschuhe waren ruckzuck verstaut und dann startete schon unsere Fahrt von Weilburg nach Osten mit Ziel Erzgebirge.

Etwas über 400 km waren es bis zum Fahrtziel in Johanngeorgenstadt, wo wir in der Jugendherberge (JH) erst für 17.00 Uhr angemeldet waren. Zeit hatten wir also genug, so dass uns der unerwartet dichte Autoverkehr auf der A 5 und ein Stau auf der A 7 hinter dem Hattenbacher Dreieck nicht aus dem Konzept brachten. Die A 4 bis zur Ausfahrt Zwickau war dafür kaum befahren und von dort aus ging es dann über Bundes- und Landstraßen unserem Ziel entgegen. Eine Pause gönnten wir uns aber noch vor Johanngeorgenstadt, bevor wir die wenigen Restkilometer fuhren und gegen 14.00 Uhr die Jugendherberge (JH) erreichten. Das Haus war verschlossen und so nutzten wir die Zeit zu einer Erkundungsfahrt durch die Stadt.

Foto, Johanngeorgenstadts Einkaufszentrum in Tschechien

Johanngeorgenstadts Einkaufszentrum in Tschechien

Die Stadtstruktur hatte uns schon bei der Ankunft erstaunt, als wir weit verstreut liegende Siedlungsblöcke passierten, dann fast unbebautes Gebiet das in städtische Bebauung überging und wieder durch Wald und verstreute Hausgruppen abgelöst wurde. Tatsächlich ist der Ort auch in eine Neustadt, die Mittelstadt und die Altstadt geteilt, ein Zentrum oder auch nur eine überhaupt erkennbare Stadtstruktur ist in Johanngeorgenstadt jedoch nicht auszumachen. Eine solcherart zersiedelte, struktur- und gesichtslose Stadt hatten wir noch nicht erlebt. Ein Grund dafür ist die Bevölkerungsentwicklung und der Uranabbau durch die SAG Wismut in den 1950er-Jahren.

So stieg die Einwohnerzahl von ca. 6.000  (1945) auf ca. 45.000 (1953). Damit einher ging ein ungezügelter Abbau und daraus resultierende Bergschäden, die einen Abbruch großer Altstadtteile erforderlich machten. Im Gegenzug mussten große Wohnsiedlungen neu angelegt werden (u. a. Mittelstadt, Neustadt). Nach dem Ende des Uranabbaus sank die Einwohnerzahl wieder ab bis auf ca. 10.000 Einwohner (1976). Ab 1990 schlossen die noch vorhandenen Betriebe der Handschuh- und Möbelindustrie und des Maschinenbaus. Entsprechend verlor Johanngeorgenstadt weitere Einwohner, im Jahr 2005 zählte die Stadt noch ca. 5.700 Einwohner, woraus ein weiterer Abriss leerstehender Gebäude folgte.

Foto, Kirchturm in Johanngeorgenstadts Altstadt

Kirchturm in Johanngeorgenstadts Altstadt

Das ehemals vorhandene Ortszentrum in der Altstadt war mit einiger Fantasie in der Nähe der Kirche noch vorstellbar, es gab jedoch kein einziges Geschäft, nicht einmal eine Imbissbude und nur eine Gaststätte, die Vorstellung einer belebten Stadt fiel uns nicht leicht.

Einen Grund für das Nichtvorhandensein von Einkaufsmöglichkeiten fanden wir, als wir vom Ort hinunter in das vom Schwarzwasser durchflossene Tal fuhren. Dort herrschte ein Verkehr wie in den Einkaufsstraßen einer Großstadt mit von Fahrzeugen überfüllten Parkplätzen. Hier befindet sich ein Grenzübergang nach Tschechien und unmittelbar hinter dem Schlagbaum waren Geschäfte, Buden, Händler, Gaststätten - Einkaufsmöglichkeiten in Hülle und Fülle. Kein Wunder, dass der Handel in Johanngeorgenstadt ausgestorben war.

Da Tschechien dem Schengener Abkommen noch nicht beigetreten ist (wahrscheinlich 2007) war der Grenzübertritt ohne Ausweis noch nicht möglich und ich machte ohne Joachim, der seinen Ausweis zu Hause gelassen hatte, einen kurzen Abstecher ins benachbarte Ausland.

Anschließend fuhren wir in die Mittelstadt und machten dort einen Abstecher zu dem bergbautechnischen Denkmal Pferdegöpel. Nach einem kurzen Rundgang dort legten wir im danebenliegenden Café eine Kaffeepause ein fuhren anschließend zur JH.

Foto, Pferdegöpel in Johanngeorgenstadt

Pferdegöpel in Johanngeorgenstadt

An der JH wurden wir schon erwartet, ungewöhnlicherweise aber vor der Tür. Es stellte sich heraus, dass wir die einzigen Gäste in der JH waren und wegen Abwesenheit der Herbergseltern an diesem Wochenende eine Vertreterin mit unserer Einquartierung beauftragt worden war. Und diese hatte die JH geöffnet, die Hausschlüssel (einschl. Fahrzeug- und privater Hausschlüssel) ins Büro gelegt, ging wieder auf die Straße hinaus, die Haustür fiel ins Schloss und nun standen wir alle vor der Unterkunft und kamen nicht mehr ins Haus.

Mit der vagen Hoffnung, bei Familienangehörigen der Herbergseltern einen Zweitschlüssel erhalten zu können, fuhr Joachim mit der völlig aufgelösten Dame los während ich es mir auf einer Bank bequem machte und die Alternativen zwischen einer Übernachtung im Wagen oder einer Übernachtung im Geräteschuppen gegeneinander abwägte. Zum Glück wurden diese Überlegungen gegenstandslos, als Joachim nach längerer zeit mit einer strahlenden Vertreterin der Herbergseltern und einem Zweitschlüssel für die JH zurückkehrte.

Foto, Jugendherberge in Johanngeorgenstadt

Jugendherberge in Johanngeorgenstadt

So konnten wir endlich als einzige Übernachtungsgäste unser Zimmer beziehen und nachdem wir unsere Utensilien verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg in die uns bisher einzig bekannte Gaststätte des Ortes zum Abendessen.