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Schwarzwaldwoche

Allgemeine Infos: Wutachschlucht

Grafik zur Geologie der Wutachschlucht

Grafik zur Geologie der Wutachschlucht

Die Wutachschlucht ist eine der naturgeschichtlich interessantesten Flusslandschaften und das trotz ihres erdgeschichtlich fast nicht relevanten Alters von nur 20.000 Jahren. Mit ihrem Verlauf stellt die Wutach das Lehrbeispiel einer Flussablenkung dar und ist ein Paradebeispiel für die landschaftsverändernde Kraft einer rückschreitenden Erosion.

Noch vor etwa 25.000 Jahren und ca. 180 m über dem heutigen Schluchtboden der Wutach, entwässerte den Raum des Feldbergs die nach Osten abfließende Feldberg-Donau. Das geringe Gefälle ließ diesen Urfluss nur gemächlich in der Bruchzone des Bonndorfer Grabens östlich durch die Blumberger Pforte und über das heutige Aitracher Tal zur Donau fließen.

Grafik zur Landschaftssituation im Gebiet Feldberg-Donau - Ur-Wutach vor ca. 25.000 Jahren

Gebiet Feldberg-Donau - Ur-Wutach vor ca. 25.000 Jahren

Südlich des heutigen Ortes Blumberg entwässerte zu dieser Zeit der Flusslauf der Ur-Wutach das Land und führte sein Wasser dem Rhein zu. Mehr als 300 m betrug der Höhenunterschied zwischen den Mündungsgebieten der Feldberg-Donau und der nach Süden in den Rhein strömenden Ur-Wutach. Das starke Gefälle der Ur-Wutach zum Rhein bewirkte, dass sich diese immer tiefer in das Gestein einkerbte und in rückschreitender Erosion ihren Oberlauf nach Norden verlängerte.

Vor 20.000 bis 15.000 Jahren erreichte die sich nördlich fortsetzende Verlängerung der Ur-Wutach das Bett der Feldberg-Donau und zapfte diese an. Die Anzapfstelle lag westlich von Blumberg, etwa bei Achdorf, und dort wurde das bisher nach Osten fließende Wasser nun nach Süden abgeleitet. Beigetragen hatten dazu auch, dass die Feldberg-Donau ihr Bett im Bonndorfer Graben aufgeschottert und damit angehoben hatte, ebenso wie die Fluten von abschmelzenden Schwarzwaldgletschern, die den Fluss schließlich zum Oberrhein überlaufen ließen.

Nach der Flussumleitung wurde das Feldberggebiet nicht mehr in die Donau entwässert, sondern in den Rhein und dort lag die Flussmündung erheblich tiefer als zuvor an der Donau. Damit verstärkte sich die erodierende Kraft der vom Feldberg zum Rhein strömenden Wutach um ein Vielfaches. Mehr als 300 m Gefälle gewann die Wutach auf einer Strecke von ca. 40 km, fast 1 Prozent also. Ein ausgeglichener Flusslauf weist ein Gefälle von ca. 0,1 Prozent auf, ein Gefälle von 0,5 Prozent bedeutet Wildflusscharakter.

Das starke Gefälle und die abfließende Wassermenge waren ausschlaggebend dafür, dass es der Wutach gelang, sich binnen 20.000 Jahren über eine Länge von 28 km und teilweise bis zu fast 180 m Tiefe in die Gesteinsschichten zu schneiden und die heutige Wutachschlucht entstehen zu lassen. Dabei räumte die Wutach fast zwei Milliarden Kubikmeter Gestein aus, was dem Massiv des Matterhorns entspricht.

Bis heute ist die Ausbildung der Schlucht nicht abgeschlossen und fortwährend tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Da die Wutach in ihrer Schlucht noch keine stabilen Böschungswinkel geschaffen hat, kommt es immer wieder an den Steilhängen zu Erdrutschen und Felsstürzen. Besonders nach den Frühjahrshochwassern ist oftmals eine Begehung erst wieder nach der Neuanlage von Flussübergängen und Wegstücken möglich.

Grafik vegetationskundlicher Querschnitt durch die Wutachschlucht

Vegetationskundlicher Querschnitt durch die Wutachschlucht

Die vielfältigen Geländeformen und Bodenarten wie auch die verschiedenen klimatischen Bedingungen schaffen auf engstem Raum unterschiedlichste Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Von den in Süddeutschland erfassten ca. 2.800 Farn- und Blütenpflanzen kommen 1.200 im Bereich der Wutachschlucht vor. Für die Tierwelt wird geschätzt, dass etwa 10.000 Arten von Wirbel-, Glieder- und Weichtieren einen Lebensraum in der Schlucht haben, allein Schmetterlingsarten wurden mehr als 500 gezählt.

Die Bezeichnung Wutach trägt der für die Schlucht namengebende Fluss am Beginn seines Laufs noch nicht. Er fließt aus dem Feldsee am Osthang des Feldbergs als Seebach ab und durch das Bärental zum Titisee. Mit dem Austritt aus dem Titisee wird der Fluss als Gutach (Gute Ach, "ach", von lat. aqua) bezeichnet und trägt diesen Namen bis zum Zusammenfluss mit der Haslach östlich von Lenzkirch. An diesem Zusammenfluss ändert sich sein Name in Wutach (Wütende Ach) und als Wutach mündet der Fluss in den Rhein bei Waldshut-Tiengen.

Um die in Mitteleuropa einmalige Wildflusslandschaft zu erhalten, wurde am 26.07.1939 die Wutachschlucht von der Gutachbrücke bis zur Einmündung der Gauchach in die Wutach als Naturschutzgebiet Wutach-Gauchachtal mit einer Fläche von 579 ha ausgewiesen. Die damalige Schutzfläche von 579 ha wurde 1989 auf ein 950 ha umfassendes Gebiet erweitert. Dazu kommen nochmals 415 ha umgebendes Landschaftsschutzgebiet.

Über den Link  Übersichtsplan können Sie sich einen Übersichtsplan der Wutachschlucht als pdf-Dokument anzeigen lassen. Erforderlich ist dafür das (kostenlose) Programm Adobe®Reader®, das wahrscheinlich aber bereits auf Ihrem PC installiert ist. Sollte dies nicht der Fall sein, so können Sie die aktuelle Version hier herunterladen:  Adobe®Reader®.

Quelle aller Grafiken auf dieser Seite: Informationsblatt der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg (BNL) Bissierstr. 7, 79114 Freiburg 4. Auflage, August 2004