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Radwanderung
Hennigsdorf (Berlin) - Greifswald

Allgemeine Infos

Foto, Joachim (rechts) und ich bei einer Rast unterwegs nach Greifswald

Joachim (rechts) und ich bei einer Rast unterwegs nach Greifswald

Für unsere Radwanderung 2006 hatten Joachim und ich bereits im vergangenen Jahr den Radfernweg Berlin-Kopenhagen angedacht. Eindeutig für diese Radtour hatten wir uns zwar noch nicht entschieden, ich aber ging für mich davon aus, dass unsere Radtour dieses Jahr entlang dieser Strecke führen würde. Da die Radtourenplanung in Joachims Zuständigkeit fiel, hatte ich keine Überlegungen dazu mehr angestellt und war erstaunt, als mir Mitte Dezember 2005 eine E-Mail von Joachim zuging, in der vier höchst unterschiedliche Tourenvorschläge aufgeführt waren.

Zusätzlich zum Radfernweg Berlin-Kopenhagen hatte sich Joachim weitere Radtouren ausgedacht die durch Burgund, die Schweiz oder Österreich führen sollten. Der Tourenvorschlag durch das Salzkammergut in Österreich ließ mich zwar einen Moment schwankend werden, mein Favorit blieb aber Berlin-Kopenhagen.

Foto, Beschilderung des Radwegs Berlin-Kopenhagen

Beschilderung des Radwegs Berlin-Kopenhagen

Zwar hatten wir bei unserer Radwanderung im Mai 2005, die uns südlich von Berlin durch die neuen Bundesländer führte, nicht überall die besten Erfahrungen hinsichtlich Markierungen und Radwegeausbau gemacht, aber für den Radfernweg Berlin-Kopenhagen war ich in dieser Hinsicht viel optimistischer. Und das Kennenlernen der Mecklenburgische Seenplatte und die Strecke entlang der Ostsee reizte mich letztlich am meisten.

Jedenfalls hatte ich mich aufgrund von Joachims E-Mail nun doch ein wenig mit der Streckenplanung beschäftigt und war dabei zu der Ansicht gelangt, dass nicht unbedingt Kopenhagen das Ziel sein müsste, sondern eine Route entlang der Ostseeküste nach Rügen gleichermaßen lohnen würde. Joachim war mit dieser Abänderung gern einverstanden und so wurde Greifswald als Zielort bestimmt, von wo aus dann die Rückfahrt nach Weilburg mit der Bahn erfolgen sollte.

Wegen bereits ausgebuchter Häuser erhielt Joachim auf die Mitte Februar versandten Reservierungsanfragen Absagen der JH in Fürstenberg, Stralsund, Binz und Sellin. Wir mussten deshalb gegenüber den ursprünglich geplanten Etappen und Übernachtungsorten leider einige Änderungen vornehmen.

Statt Fürstenberg wurde Prebelow als Übernachtungsort gewählt, was nicht nur eine längere Tagesstrecke verlangte, sondern in diesem Bereich auch ein Verlassen des Radwegs Berlin-Kopenhagen, auf den wir dann aber in Waren (Müritz) wieder treffen wollten. An die Stelle der JH Stralsund, dort hatten wir ursprünglich zwei Übernachtungen geplant, trat Zingst.

Für Binz und Sellin fanden sich auf Rügen keine JH als Alternativen und wir buchten deshalb zwei Übernachtungen in einem kleinen Hotel in Sellin, eine Entscheidung die wir nicht bereuten. Und Dank verwandtschaftlicher Beziehungen von Joachim nach Hennigsdorf (Berlin) war dort am Anreisetag für ein tolles Abendessen gesorgt und wir konnten auch die Nacht in Hennigsdorf in einem Privatquartier verbringen.

Ähnlich wie 2005 hatten wir auch dieses Mal Tagesstopps vorgesehen, um nicht alle Orte und Landschaften nur während der Durchfahrt zu erleben. Diese Tagesaufenthalte entfielen auf Waren (Müritz), Rostock, Zingst (Ausweichort für Stralsund), Sellin und Greifswald. Zu diesen 5 Tagen kamen die beiden Tage für die An- und Abreise mit der Bahn, so dass von den 15 zur Verfügung stehenden Tagen noch 8 Tage für die ca. 590 km Fahrstrecke verblieben.

Bei den Buchungen gibt es in einigen JH teilweise einen bürokratischen Aufwand, über den man sich nur ärgern und wundern kann. Zwar funktioniert (meistens) die Kontaktaufnahme über E-Mail, dann wird jedoch ein Übernachtungsvertrag auf dem Postweg übersandt, der nach Unterzeichnung natürlich wieder auf dem Postweg zurückzusenden ist, zusätzlich werden häufiger Anzahlungen fällig. Ein Hotel mit solchen Ansinnen müsste in kürzester Zeit wahrscheinlich seinen Betrieb einstellen. Ebenso abschreckend wirkt der z. B. in der JH Greifswald ausgeübte Zwang die Buchung nur dann zu akzeptieren, wenn auch das Abendessen mitgebucht wird. Solche Sachverhalte überschatteten andere positive Eindrücke in den JH und werden ganz sicher dazu führen, künftig auch andere Möglichkeiten der  Übernachtung zu nutzen, zumal deren Preisniveaus nicht unbedingt über denen der JH liegen. So übernachteten wir z. B. in Sellin in der Pension "Villa Elisabeth" für 55,-- Euro je Nacht (DZ mit Frühstück, Balkon, Dusche, WC), je Person also 3,-- Euro mehr als in den JH Sellin oder Binz fällig geworden wären.

Ein Großteil der von uns genutzten Jugendherbergen war erst in den letzten Jahren vollständig renoviert oder gar neu gebaut worden. Überall waren die Zweier- oder Viererzimmer nur durch uns belegt und wir konnten uns und das Gepäck ungehindert ausbreiten. Völlig ungewohnt für eine JH war die Schlafcouch in Mirow, die erst zum Doppelbett umgebaut werden musste. Statt mancherlei architektonischem Schnickschnack hätte man diesem Neubau einen Fahrradraum spendieren sollen, wenigstens aber überdachte Stellplätze.

Das Frühstücksangebot war überall sehr ordentlich, bei der in Greifswald aufgedrängten Halbpension hatten wir allerdings wenigstens ein warmes Abendessen erwartet. Statt dessen gab es abends nur eine warme Suppe. Dazu allerdings auch eine gute und umfangreiche Salatauswahl, Wurst, Käse, Brot usw.

Foto, Jugendgästeschiff Georg Büchner im Rostocker Hafen

Jugendgästeschiff Georg Büchner im Rostocker Hafen

Gut und zentral war die Unterbringung auf dem im Rostocker Hafen vor Anker liegenden Jugendgästeschiff "Georg Büchner" - katastrophal jedoch dessen Nachbarschaft zu einem Musikklub: Musik, Geschrei und Randale bis in die Morgenstunden unmittelbar am Schiff. Da war das tolle Frühstück in der ehemaligen Offiziersmesse nur eine kleine Entschädigung.

Auf den Radwegen war die Beschilderung grundsätzlich gut. Wirklich wünschenswert wäre aber vor allem auch eine durchgängig einheitliche Gestaltung der Hinweisschilder in Bezug auf Größe, Farb- und Schriftwahl und evtl. Symbol, wie sie (größtenteils) beim Radweg Berlin-Kopenhagen erfolgte. Noch scheint jeder Provinzfürst in dieser Hinsicht seinen eigenen Vorstellungen zu frönen.

Die Radwege verlaufen fast vollständig abseits von Straßen oder auf abgetrennten Radwegen, und auf den wenigen benutzten Nebenstraßen herrscht nur wenig Autoverkehr. Hin und wieder gibt es auch kurze Strecken mit alten Betonplattenwegen oder Pflasterstraßen. Diese Streckenabschnitte sind aber immer nur kurz und nie so katastrophal schlecht zu fahren, wie manche der Wegstrecken, die wir 2005 kennen gelernt hatten. Hin und wieder gibt es kurze Abschnitte lockerer Sandstrecken, die ohne Gepäck und mit Mountainbike zwar fahrbar sind, mit unserem Gepäck und Tourenrädern aber schiebend bewältigt werden mussten.

Auf den von uns befahrenen Strecken war der Ausbauzustand am besten auf dem Radweg Berlin-Kopenhagen, während auf den Radwegen Mecklenburgische Seenplatte und Ostseeküstenradweg mehr unbefestigte Abschnitte zu finden sind. Landschaftlich am schönsten und am abwechslungsreichsten fand ich die Abschnitte auf dem Radweg Mecklenburgische Seenplatte und Ostseeküstenradweg.

Was das Wetter während der 14 Tage betraf, so waren wir echte Glückspilze. Fiel am Anreisetag in Hennigsdorf noch strömender Regnen, so blieb es die nächsten zwei Wochen trocken und sonnig und es regnete erstmals wieder am Tag der Bahnrückfahrt. Allerdings ging während der ersten Woche ein empfindlich kalter Wind, der sich auf dem Weg zur Ostsee und dort an der Küste noch verstärkte und viel Kraft kostete.

Foto, Fahrräder

Unsere Räder, ohne sie keine Radwanderung.

Wie unsere vorangegangenen Radwanderungen war auch diese 15-tägige Radtour wieder  ein absolut positives Erlebnis. Weithin freie Landschaften, Wasser, Felder, Wiesen und Wald, herrliche Ostseestrände und sehenswerte Städte: Noch mehr kann man nicht erwarten!

Einziger Wermutstropfen während der 15 Tage war meine Stimmbandentzündung, die mich am zweiten Tag erwischte und während der ganzen Tour nicht mehr verließ. Tagsüber war kaum etwas davon zu spüren, aber Nacht für Nacht war ich mehr mit husten denn mit schlafen beschäftigt. Und Joachim musste sich meine nächtlichen Hustenfälle ebenfalls anhören. Ich hoffe, es gibt trotzdem neue  gemeinsame Unternehmungen.